Wenn Projekte nerven

Ein ideales Strickprojekt macht mir beim Stricken genauso viel Spaß, wie beim späteren Tragen oder Benutzen. Wenn ich beim Stricken schon daran denke, wie toll es wird, wenn ich kommenden Winter die Mütze tragen kann oder wenn ich dann im Winter gerne an die Zeit im Frühling zurück denke, als ich die Mütze gestrickt habe. Das finde ich toll.

Leider bleibt so ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Prozess und Endprodukt nicht immer bestehen – das Strickstück fängt an zu nerven. Jede Masche, jede Reihe, jede Zu- oder Abnahme, alles geht mir dann auf den Keks und ich will einfach nur noch das fertige Teil haben. Genau so geht es mir gerade mit Daybreak.

Daybreak ist ein tolles Tuch! Ich liebe ja halbrunde Schals und durch die Streifen kann man unendlich viele Farbkombinationen zusammenstellen, entweder mit einfarbiger Wolle oder Verlaufsgarnen oder einer Kombination aus beidem, auch in handgesponnener Wolle kommt das Tuch sehr gut – ihr seht, Daybreaks können süchtig machen.

Was nervt mich dann an dem Tuch? Ich kann es ganz genau benennen: Section 2, Row 3 (RS). In dieser Reihe werden die Zuahmen gemacht, die Daybreak die charakteristische Form geben. Dabei muss man darauf achten, in welche Richtung man die Zunahmen macht, wie man diese abstrickt und an welchem Marker man gerade ist. Man könnte meinen, nach einigen Wiederholungen wäre das kein Problem mehr. Nicht für mich. Ich klebe jedes Mal bei dieser Reihe an der Anleitung. In welche Richtung ging die Zunahme nun? Und muss ich dazu von vorne oder von hinten aufnehmen? Kommt jetzt noch eine links- oder  schon eine rechtsgerichtete Zunahme? Entspanntes Stricken sieht anders aus, die eine Reihe vermiest mir den ganzen Spaß am Projekt.

 

 


Fließender Uebergang

Nach langem Überlegen habe ich mich nun für eine bestimmte Art des Spinnens und Verzwirnens bei der bunten Samstagsfärberei entschieden. Damit die knalligen Farbkontraste bestehen bleiben, werde ich das Garn sehr dünn verspinnen und anschließend mit der Navajo-Technik zu einem dreifädigen Garn verzwirnen. Aufgrund meiner komischen Art, aus einem Kammzug zu spinnen besteht bei mir immer die Gefahr, dass ich die Farben allzu sehr miteinander vermische. Das Resultat ist dann in den meisten Fällen schlammfarbene Wolle. Deshalb muss ich etwas Vorarbeit leisten, damit die einzelnen Farbpartien schön getrennt voneinander auf die Spule kommen.

Zuerst teile ich die nächsten Abschnitte, die ich verspinnen mag, in Farbblöcke auf – Rot, Blaugrün und die Übergänge. Hier unterscheide ich zwischen Rot mit etwas Blaugrün und Blaugrün mit etwas Rot.

Mit etwas Zupfen kann man die einzelnen Partien schön aufteilen, anschließend werden diese in der passenden Reihenfolge versponnen. Möchte man noch fließendere Übergänge zwischen den einzelnen Farben haben, kann man die verschiedenfarbigen Fasern mit Handkarden zusammenkardieren … da ich jedoch über solch praktisches Zubehör (noch) nicht verfüge, muss ich einfach etwas mehr zupfen, vermischen und sortieren.

Von links nach rechts: Blaugrün, Blaugrün mit etwas Rot, Rot mit etwas Blaugrün, Rot

 


Anleitung der Woche: Ginkgo Shoulderette Shawl

Wieviele Schals und Tücher braucht Frau eigentlich? Eins ist klar, ich habe viel mehr als ich tatsächlich brauche und könnte sicherlich zwei Wochen lang jeden Tag mit einem anderen luftigen Etwas um den Hals aus dem Haus gehen. Trotzdem gibt es Tücheranleitungen, da juckt es einen einfach in den Fingern und man mag am liebsten sofort den Stash nach einem passenden Garn durchsuchen. Der kostenlose Ginkgo Shoulderette Shawl ist so eine.

Ginkgo Shoulderette Shawl von dem Blog Fragrant Heart Creations

Das Tuch folgt dem (von Ysolda mit Ishbel gesetzten) Trend, zuerst glatt rechts zu beginnen und das Lacemuster nur im äußeren Teil zu tragen. Wie die meisten Dreiecktücher ist auch dieses variabel und kann beliebig vergrößert werden, damit aus der Shoulderette ein ausgewachsener Shawl wird. Sicher würde das Tuch auch in einer etwas dickeren Wolle sehr gut aussehen, überhaupt finde ich, die Blätter benötigen die Struktur von einem Garn, das mindestens Sockenwollstärke hat.

 


Doppelt gemoppelt verwirrt besser

Dieses zwei-Ärmel-auf-einmal-Stricken ist wirklich toll: Man muss sich beim Stricken keine Mitschriften dazu machen, in welcher Reihe man nun mit den Zunahmen begonnen hat und wenn man einen kleinen Fehler macht, wie z.B. eine zusätzliche Reihe Bündchenmuster, obwohl man doch schon längst ins glatt Rechts wechseln wollte, macht man das am anderen Ärmel einfach genauso. Klasse Sache. Doch jetzt kommt das „aber“:

So sieht mein Gestricksel aus, wenn ich es aus dem Projektbeutel ziehe. Bevor ich anfangen kann, steht erstmal jede Menge Entwirrung an, insbesondere, wenn ein Knäuel sich schon so dem Ende zuneigt, dass es sich ständig auflöst.

Auch während dem Stricken habe ich ständig mit Verwirrungen und Verknotungen zu kämpfen, die manchmal eine beängstigende Ähnlichkeit zu Wollkotze entwickeln. Das Strickvergnügen wird weiter dadurch geschmälert, dass man gefühlt einfach gar keine Fortschritte macht und nicht vorwärts kommt. Trotzdem macht das Projekt noch jede Menge Spaß – so sehr, dass ich mich sogar auf das Zusammennähen freue!


Samstagsfärbereien

Leuchtend, leuchtender, handgefärbt:

Diesen Superwash Merino Kammzug habe ich gestern mit Ashford-Farben gefärbt. Ich bin wirklich erstaunt, welche Leuchtkraft die Farben haben … und wie gut Fotos mit dem iPhone werden.

Unter Anleitung meiner Frau Mama habe ich mir viel Zeit beim Aufheizen der Fasern (in der Mikrowelle) und dem anschließenden Auskühlen gelassen. Die Geduld hat sich ausgezahlt, so brillante Farben habe ich noch nie gefärbt. Das wird auf jeden Fall ein Sockengarn, nur: zweifädig im „barber pole“ Look oder Navajo-verzwirnt, damit die Farben als Blöcke erhalten bleiben?

Etwas weniger knallig aber nicht weniger schön ist dieser Blue Faced Leicester Kammzug herausgekommen. Der schreit geradezu danach, ein Tuch zu werden.

Wie schön, dass bald die Tour de Fleece losgeht!


Anleitung der Woche: paulie

Mein erster Eintrag in dieser brandneuen Blog-Kategorie gilt einem wie ich finde sehr gelungenem Design: paulie.

pauli von dem Blog "Grasflecken"

paulie ist eine relativ simple Raglan-Jacke, die mit schlichten aber schönen Details aufwartet. Der Stehkragen sorgt dafür, dass das der typische „Raglan-Look“ vermieden wird, ich denke, dadurch sitzt die Jacke auch etwas besser. Bei einer normalen Raglan-Konstruktion muss ich die Jacke immer erst etwas zurecht zuppeln, bevor sie da sitzt, wo sie sitzen soll.

Gestrickt wird paulie aus Garn in „fingering weight“ also Sockengarn-Stärke. Derzeit gibt es ja recht viele Anleitungen, die in dünnerem Garn gestrickt werden. Diese sind aber in den meisten Fällen entweder recht flatterig (Vitamin D, Daedalus) oder „cropped“ also ziemlich kurz und knapp (Audrey in Unst, Goodale). Deshalb freue ich mich umso mehr über diesen zur Abwechslung mal „klassischen“ Strickjacken-Schnitt. Die Anleitung ist wunderbar flexibel und wegen der Raglan-Konstruktion leicht an die eigene Größe anpassbar. Das macht sie in meinen Augen auch gut für Anfänger geeignet.

Sehr gut gefällt mir die Farbkombi Gelb-Grau – ich würde das Teil am liebsten sofort genauso nachstricken. Auf Ravelry gibt es allerdings schon eine interessante Abänderung der Originalanleitung: Eine Strickerin hat die Streifen durch linke Reihen ersetzt. Tolle Idee!

Vielen Dank, liebe isa k. für diese sehr schöne Anleitung!


Zitate von Nicht-Strickern (19)

„Strickliesel“

Oft habe ich dieses Wort schon von Nicht-Strickern gehört. Es wurde mir von Jugendlichen, die sich damit unglaublich lustig vorkamen, hinterher gerufen, milde lächelnde Omis hatten sich mir gegenüber auch schon als ehemalige Stricklieseln „geoutet“. Gestern während des Stricktreffens fiel das Wort wieder, dieses Mal war eine etwas ältere Dame am Nachbartisch die Urheberin.
Nun soll man sich ja bekanntlich nicht darum kümmern, was andere über einen selbst und das eigene Hobby denken. Trotzdem stört mich dieser Ausdruck ungemein und wenn ich ehrlich bin, möchte ich auch nicht als „Strickliesel“ bezeichnet werden, empfinde es fast ein wenig als Beleidigung. Warum, das wusste ich irgendwie selbst nicht. Da ich aber wissen wollte, was mich an dem Wort stört, habe ich mir einige Gedanken gemacht und ein wenig zur Strickliesel recherchiert.

Da ist zum einen der Name. Warum heißt das Gerät eigentlich Liesel oder – je nach Region – Bärbel, Susel oder Hanni – und nicht Hans, Georg oder Günther? Klar, es ist ja ein „Mädchenspielzeug“, so wie alle Dinge rund ums Handarbeiten in unserer heutigen Kultur vermeintlich Frauensache sind. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die heute bekannten Versionen aus Holz mit Mädchengesicht erstmals als Kinderspielzeug vertrieben. Das ist es auch bis heute geblieben. Von der ursprünglichen Verwendung als Werkzeug (das älteste bekannte Exemplar wird auf das Jahr 300 n.Chr. datiert) ist in unserem heutigen Sprachgebrauch keine Spur mehr. In meinen Ohren klingt bei dem Begriff daher viel Kinderhaftes und Nutzloses mit. Sofort denkt man an die meterlangen Strickschläuche, die man vielleicht sogar selbst als Kind produziert hat. Was macht man damit? Ich weiß, es gibt zahlreiche Anleitungen und Ideen, was man alles damit anstellen kann, von Schmuck über Taschen bis hin zu Teppichen. Der normale Nicht-Stricker hat davon jedoch in den seltensten Fällen Ahnung und denkt bei dem Ausdruck an die nutzlosen Schläuche aus der Kindergartenzeit, mit denen man vielleicht mehr schlecht als recht irgendwelche Alltagsgegenstände umwickelt und „verziert“ hatte. Bezeichnet mich nun jemand als „Strickliesel“ klingt das für mich danach, als würde ich eine nutzlose Tätigkeit ausüben, deren Ergebnis zu belächeln ist. Etwas, das nicht nur völlig sinnfrei ist, sondern maximal den geistigen Horizont und das Geschick eines Vorschulkindes erfordert.

Und das ist es, was mich stört. Sicher, das liegt zum Großteil an meinen eigenen Assoziationen, die ich zu dem Begriff habe. Viele Strickerinnen sehen das nicht so eng, nennen ihren Blog, ihren Woll-Laden oder Onlineshop so. Jede, wie sie möchte. Aber ich möchte trotzdem keine „Strickliesel“ sein.


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