Andere Länder, andere Strickzeitschriften

Unter den deutschen Strickern ist die regelmäßige Lektüre von englischsprachigen Strickzeitschriften mittlerweile sehr verbreitet. Auch ich war anfangs Titeln wie Knit.1 oder Interweave Knits zugeneigter als diversen deutschen Magazinen. Aber ich finde: „Unsere“ Zeitschriften müssen sich nicht länger hinter amerikanischen oder britischen Titeln verstecken. Das ist mir besonders deutlich geworden, als ich meine beiden zuletzt gekauften Zeitschriften einmal direkt miteinander verglichen habe: Die Januar-Ausgabe der Simply Knitting und die Frühjahrs-Ausgabe der Verena.

zeitschriftencover

Die Simply Knitting habe ich während meiner Paris-Reise bei W.H. Smith entdeckt. Was mich gleich zu Anfang sehr geärgert hat: Man kauft mit der Simply Knitting quasi die Katze im Sack, denn das Heft ist zusammen mit einem „free gift“ in einer Plastikfolie eingeschweißt. Das macht das Durchblättern vor dem Kauf unmöglich. Zwar kann man von den Bildern auf der Titelseite einigermaßen auf den Inhalt schließen, trotzdem fühle ich mich als interessierter Käufer da ein wenig hintergangen. Ich habe die Zeitschrift trotzdem gekauft – einfach aus Neugierde.

Die Simply Knitting erscheint monatlich und ist vom Umfang her wesentlich schmäler als die dreimonatig erscheinende Verena. Mein erster Eindruck von beiden Zeitschriften: Die Verena macht einen „magazinigeren“, hochwertigeren Eindruck, während die Simply Knitting eher „heftartig“ und etwas wild zusammengewürfelt wirkt.

inhalte

Wo die Verena eine klare Seitenaufteilung verfolgt, wirkt die Simply Knitting teilweise einfach überladen. Auf manchen Seiten sind so viele Bilderchen und dazugehörige Kleintexte, dass das lesende Auge garnicht weiß, wohin es springen soll. Gut, das bedeutet gleichzeitig, dass auf einer Seite vergleichsweise mehr Informationen untergebracht sind, aber nunmal auf Kosten der (für mich so empfundenen) Leserfreundlichkeit. 

Aber nun zum Wesentlichen: Dem Anleitungsteil. Die Januar-Ausgabe der Simply Knitting wartet mit zwölf Anleitungen auf. Darunter viel „Kleinkram“ wie gestrickte Weihnachtsdeko, Hüte, ein Wärmflaschenüberzug in Zopfmuster und Spielzeug. Brandaktuell scheint die Anleitung für einen Sack Boy zu sein, eine Figur aus einem PlayStation3-Spiel. Drei Anleitungen sind für größere Kleidungsstücke: Ein recht aufwendiger Aran-Mantel, der auch auf der Titelseite abgebildet ist, eine schlichte Jacke und ein Kinderpulli. Der Aran-Mantel gefällt mir bis auf ein paar Details (die Knöpfe und gigantisch weiten Ärmel) sehr gut. Für den Rest kann ich mich allerdings nicht erwärmen, denn eine ähnliche schlichte Jacke habe ich vor Kurzem bei Drops entdeckt, ich habe und kenne keine zu bestrickenden Kinder und zu gestrickten Weihnachtsmann-Köpfen und Zimtmännchen kann ich leider auch keine Beziehung aufbauen. Ich glaube: Ich gehöre einfach nicht zur Zielgruppe der Simply Knitting.

Wahrscheinlich kann ich deshalb auch mit dem „free gift“, das der Ausgabe bei lag, nichts anfangen (und generell muss ich sagen: Ich bin aus dem Yps-Alter nunmal raus). Hierbei handelt es sich um ein kleines Ringbuch, das der Strickerin ein nützlicher Helfer sein soll. Nun weiß ich aber, wie ein Anschlag funktioniert, wie man Perlchen einstrickt und den Maschenstich kann ich auch auswendig. Einzig die Tabelle, in der britische/amerikanische Nadelgrößen mit ihren entsprechenden metrischen Größen gegenüber gestellt sind, würde mir im Strickalltag wirklich etwas bringen.

Keine Gimmicks, dafür ganze 75 (!) Anleitungen sind in der Verena. Das halte ich schon für eine sehr beachtliche Anzahl. Darunter ist viel unterschiedliches: Pullis, lange Jacken, kurze Jacken, Kleider, weites, figurbetontes, Ajourmuster, Zopfmuster, Mehrfarbiges. Gut, mir gefällt nicht ausnahmslos alles, das wäre bei 75 Anleitungen und einer angestrebten Massentauglichkeit aber auch unmöglich. Aber selbst bei dem, was mir nicht gefällt, empfinde ich nicht den Drang, mich fremdschämen zu müssen. Die entsprechenden Modelle sind einfach nicht mein Stil, ich kann sie mir aber durchaus an anderen Leuten vorstellen. 

Was bereits große Wellen geschlagen hat, ist das wirklich verünglückte Titelfoto, bzw. die Position der Knöpfe am Titelmodell. Wie kann sowas nur passieren? Und wie kann ein solches Bild es noch schaffen, für die Titelseite ausgewählt zu werden? Eine ähnliche Katastrophe: Die Jacke auf Seite 127. Wenn eine Knopfleiste an einer kaufbaren Jacke so auseinander klaffen würde, wäre ein Griff zu einer Nummer größer doch unvermeidlich, oder? Sorry, aber das sieht einfach behämmert aus. Und das auch noch in einer Zeitschrift, in der die Leserschaft die Modelle ganz genau unter die Lupe nimmt, um zu entscheiden, ob etwas nachgestrickt wird, oder nicht. Das geht einfach garnicht.

Gelungen finde ich die Themenauswahl für die Artikel. Eine Autorin aus der deutschsprachigen Blogosphäre in Person von Tichiro mit ins Boot zu nehmen, halte ich für eine sehr gute Entscheidung. Das unterstützt meinen Eindruck, dass die Verena eine moderne Leserschaft ansprechen mag, oder vielleicht sogar jene versucht, für sich zu interessieren, die nur wegen der Gestaltung der Titelseite interessehalber nach dem Heft im Zeitschriftenregal greifen. Und dann erstaunt feststellen, dass es sich ja um eine Strickzeitschrift handelt. 

Fazit: Sollte mir die Simply Knitting noch einmal über den Weg laufen, werde ich wohl nicht zugreifen. Sollten mir aber die künftigen Ausgaben der Verena gefallen, könnte ich mir durchaus vorstellen, zur Abonnentin zu werden.

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7 responses to “Andere Länder, andere Strickzeitschriften

  • Sockenanja

    … danke für den Beitrag – war interessant zu lesen ! So viele englischsprachige Magazine kenne ich in live nicht – mir gefällt die IWK sehr gut – vom Aufbau, von den Anleitungen her. Da habe ich ein paar von.

    Hier gibt es momentan die Lena hin und wieder eingeschweißt mit einem Beiheftchen – so verpackt, dass man nicht weiß, welches Heft dabei ist – finde ich auch schade.

    Die Verena gefällt mir auch immer besser – dass auch hier eine Strickzeitschrift mit Artikeln, Berichten über Garne und so weiter aufwartet, finde ich klasse.

    Liebe Grüße;
    Anja

  • Nicole

    Danke für den Vergleich!
    Ich hatte letztes Weihnachten im Leipziger Bahnhof die Simply Knitting in den Händen, habe sie aber dann doch nicht mitgenommen. Wollte ja wenigstens mal reinschauen und nicht die Katze im Sack kaufen. Aber jetzt fühle ich mich bestätigt und bin froh die Zeitschrift nicht mitgenommen zu haben.
    Sehr gut finde ich die Vogue Knitting (jetzt ja Designer Knitting). Was mir auch immer sehr gut gefällt, sind die ersten Seiten der Vogue Knitting – da gibt es soo viele Neuigkeiten und Links etc. Und natürlich sind die Bilder in der VK immer sehr schön anzusehen.

    LG Nicole

  • Margot

    Ich finde es auch immer gut, wenn man sich die Modelle vorher anschauen kann, bevor man eine Zeitschrift kauft. Kommt ja vor, dass man einfach nichts Passendes findet. Das ist mir auch bei der Verena schon hin und wieder so gegangen, aber die muss ich dann ja nicht kaufen.
    Liebe Grüßevon Margot

  • Marta

    Vielen Dank für den Beitrag! Ich kaufe regelmäßig die Rebecca, die verena nur ab und an – ich glaube, diesmal greife ich wieder zu. Aber: Für mich hat keine Zeitschrift das Niveau der Rowan-Magazine.

  • msblackstitch

    Ja, die Rowan-Magazine … ich muss gestehen, ich kann bis jetzt noch keins mein eigen nennen. Was ich sehr schade finde, denn die Bilder, die ich bis jetzt gesehen habe, sehen umwerfend aus! Und die Projekte natürlich auch.

    Nicole, vielleicht ist ja auch die eine Ausgabe, die ich da erwischt habe, einfach nicht mein Ding gewesen. Das gibt’s ja immer wieder, dass eine Ausgabe aus dem Rahmen fällt, man das Heft sonst aber gut findet (oder finden würde, wenn man mehrere Ausgaben kennen würde). Wenn ich eine weitere Ausgabe wo sehe, werde ich auf jeden Fall die Titelseite seeehr kritisch studieren.

    Sockenanja, das ist ja wirklich blöd! Vor allem, weil da ja echt alles dabei sein kann und dann die Chance wirklich hoch ist, dass es was ist, was einen nicht interessiert.

  • Franziska

    Die Verena kaufe ich mir auch schon länger (die Sommerausgaben eher unregelmässig, weil ich in den warmen Monaten eher selten gestricktes trage) weil zumindest in den Frühjahr-, Herbst- und Winterausgaben IMMER was gutes dabei ist. Den Preis finde ich völlig gerechtfertigt, die Muster sind verständlich erklärt und der Umfang ist recht gross.

    Danke jedenfalls vor der ‚Warnung‘. Eine Falle weniger, auf die ich reinfallen kann. ^^

  • Franziska

    *für die ‚Warnung‘ sollte es ursprünglich heissen. 😉

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