Bücher, Brücken, Big Brother und vieles mehr

Hier also nun ein paar Eindrücke aus London, eine Stadt, die gleichzeitig nervig, toll, aufregend und anstrengend ist. Auf die obligatorischen Bilder von Big Ben, der Tower Bridge und dem Piccadilly Circus habe ich mal verzichtet – Ihr wisst sicher sowieso, wie es dort aussieht.

Furchtbar klischeehaftes London-Wetter hatten wir während unserer Anreise: „heavy rain“ sagte die Wetter-Seite der BBC. Glücklicherweise hatten sich die Regenwolken an diesem Abend so verausgabt, dass die kommenden Tage bis auf ein paar Minuten Nieselregen absolut trocken geblieben sind!

Vieles haben wir uns vorgenommen. Ein Muss für alle (ehemaligen) Anglistik-Studenten und Liebhaber des geschriebenen Wortes: die British Library.

Nicht nur gibt es dort unglaublich viele Bücher, es gibt auch unglaublich viel Einzigartiges dort zu bestaunen. Die „Treasuries“ umfassen zwei Seiten der Magna Charta, diverse Blätter aus Da Vincis Notizbüchern, heilige Texte verschiedenster Religionen sowie (und hier schlug mein Herz richtig hoch!) handschriftliche Manuskripte von Jane Austen, Oscar Wilde, Charlotte Brontë, Lewis Carroll und John Milton. Von „Jane Eyre“ konnte man tatsächlich das Originalmanuskript anschauen, das Charlotte Brontë ihrem Verleger eingereicht hatte. Der Wahnsinn!

Den wahrscheinlich nervigsten Job in London haben diese vier Jungs. Die Horse Guards stehen am gleichnamigen Gebäude Wache, natürlich völlig emotions- und bewegungslos. Und das, obwohl Massen von Touristen um sie herumspringen, ihre Pferde nervös machen und ein Bild mit ihnen machen. Da braucht man wirklich eine große Portion Selbstbeherrschung.

Einen tollen Blick auf die Themse, die Bankside und St Paul’s Cathedral hat man von der Millenium Bridge aus. Die futuristische Fußgängerbrücke ist an sich ein echter Hingucker, weil sie sich durch ihre Konstruktion von den restlichen Brücken in der Stadt abhebt.

Ich hatte es zwar bereits gewusst, auch oft gelesen, so richtig konnte ich mir das tatsächliche Ausmaß der CCTV-Überwachung in der Innenstadt aber nicht vorstellen. In London ist wirklich alles überwacht, an allen möglichen Ecken hängt eine dieser kastenförmigen Kameras und zeichnet alles, was um sie herum passiert, auf. Sogar die Houses of Parliament scheuen sich nicht, sich eine CCTV auf’s Dach zu setzen …

… und auch Harry Potter wird auf den Weg nach Hogwarts am Gleich 9 3/4 von gleich vier Kameras überwacht.

1984 lässt herzlich grüßen. George Orwells Haus in Notting Hill habe ich übrigens auch im Vorbeigehen gesehen. Da hing allerdings keine Kamera dran.

Sehr zu empfehlen für Shakespeare- und Theater-Liebhaber: Shakespeare’s Globe. Das soweit wie möglich dem elisabethanischen Original nachempfundene Theater ist absolut sehenswert! Neben modernen Stücken und Inszenierungen werden dort auch Shakespeare-Stücke in historischen Kostümen gespielt. In der Ausstellung gab es viel über die Kunst des Kleidermachens zu Shakespeares Zeiten zu lernen. In Videos haben die heutigen Kostümbildner von ihren Bemühungen erzählt, die Kostüme mit traditionellen Methoden nachzubilden, ein unglaublicher Aufwand! Mehrere dieser Kunstwerke waren ausgestellt:

Kunst mal anders, lebendig und zum ansprechen gibt es derzeit am Trafalgar Square zu sehen. One & Other von Antony Gormley ist eine lebendige Skulptur, die auf der leeren vierten Säule ausgestellt ist. Lebendig deshalb, weil 2.400 Menschen für jeweils eine Stunde dort oben in vier Meter Höhe stehen. Was sie dort machen ist ihnen überlassen. Ich habe gehört, einer hat von oben den Zuschauern den Moonwalk beigebracht und am Ende seiner Stunde hat der Trafalger Square zu „Thriller“ getanzt. Im Vorbeifahren mit dem Bus habe ich einen Mann im Bienenkostüm auf der Empore rumhüpfen sehen. Als wir dann direkt vor Ort waren, hat eine junge Frau ihre Ansichten über Atomkraft publik gemacht.

Zwar ist der Tower ein absoluter Touri-Magnet und bei gutem Wetter hoffnungslos überlaufen, trotzdem ist er einen Besuch wert. Die lauschige Anlage erinnert keinesfalls mehr an die zahllosen Tragödien, die sich dort abgespielt haben. Eine Führung mit einem der Yeoman Warders lohnt sich. Wie ich erfahren habe, handelt es sich bei diesen nicht um gecastete Schauspieler (denn der Warder, der unsere Führung gehalten hat, könnte auch auf der Bühne vom Globe stehen!), sondern um tatsächliche Angestellte der Königin, die mindestens 22 Jahre in der Armee gedient haben müssen, um diesen Job ausüben zu dürfen. Sie wohnen mit ihren Familien in schnuckeligen Häuschen auf dem Tower-Gelände und können wohl als einzige auf der Welt von sich behaupten, dass in ihrem Vorgarten mehrere Könige und Königinnen sprichwörtlich den Kopf verloren haben.

Im White Tower gibt es derzeit viele Rüstungen von Heinrich dem Achten zu sehen, die Ausstellung trägt den passenden Namen „Dressed to Kill“.

Was gäbe es sonst noch zu erzählen? Natürlich viel! Aber das ist eindeutig zuviel für einen kleinen Blog 🙂

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5 responses to “Bücher, Brücken, Big Brother und vieles mehr

  • The Curious Crab

    Ich bitte höflichst darum, beim nächsten London-Besuch mitgenommen zu werden! 😉

    LG und welcome back,
    Crab

  • Elena.

    Dem kann ich mich nur anschließen. Danke für den kleinen gedanklichen Ausflug nach London.

  • Sockenanja

    … danke schön für die virtuelle Rundreise – sehr interessant !!

    Liebe Grüße;
    Anja

  • Margot

    Liebe Martina, jetzt bin ich fast ein bisschen froh, dass du auch noch andere Sachen in London gesehen hast, nicht nur Wollgeschäfte. Sehr schöne Bilder. Die Sache mit den Überwachungskameras finde ich bedauerlich. Was da alles an Freiheit verloren geht für ein bisschen mehr Sicherheit.
    Liebe Grüße von Margot

  • Shad your Web

    Shakespeare Big S…

    I found your entry interesting thus I’ve added a Trackback to it on my weblog :)…

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