Archiv der Kategorie: Allerlei

Das kollektive Tuch

Copyright: Curious Handmade

Copyright: Curious Handmade

Helen Stewart von Curious Handmade hatte eine geniale Idee: Anstatt ein Tuchdesign zu entwerfen und zu hoffen, dass es möglichst vielen Strickern gefällt, lässt sie bei ihrem neuesten Projekt die Stricker selbst entscheiden, was für ein Tuch sie haben möchten. Über fünf Wochen hinweg können wir alle einmal die Woche (immer am Montag) über mögliche Designs abstimmen. In Woche 1 haben wir die Wahl, ob wir lieber ein Lacetuch oder ein Tuch mit Strukturmuster hätten.

Und es kommt noch besser: Wer bis zum 24. Mai die Anleitung bzw. mittlerweile noch den Platzhalter für die Anleitung, denn diese gibt es natürlich erst nach Abschluss der Abstimmung, kauft, bekommt das Pattern umsonst. Danach wird das Muster schrittweise etwas teurer.
Nicht wundern, bei Ravelry ist der Preis von einem Cent angegeben und man wird beim „Kaufvorgang“ auch fast bis zu PayPal durchgeschleust, im Endeffekt zahlt man aber doch nichts und kann das PDF einfach herunterladen. Der Pseudo-Kaufvorgang ist nötig, damit Helen einen Verteiler hat, um das Pattern-Update zu verschicken, wenn die Anleitung fertig gestellt ist.

Über das Tuchdesign abstimmen kann aber jeder, unabhängig davon, ob man die Anleitung bei Ravelry gekauft hat, oder nicht. Ich finde, das ist ein wirklich cooles Projekt und ich bin jetzt schon sehr gespannt, was dabei heraus kommt!

 

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Und ewig lockt der Supersale

Dienstag, 7. Mai 2013 – Telefonat mit Mama BlackStitch

Mama BlackStitch: Du, bei Lanade ist gerade wieder Supersale! Möchtest du auch was bestellen? Dann teilen wir uns die Versandkosten.

Ich: Nein, dieses Mal setze ich aus. Mein Stash ist so voll, auch mit Handgesponnenem und ich muss immer noch Wolle vom Supersale letztes Jahr wegstricken.

Ich fühle mich stark und stolz, dass ich der Versuchung widerstanden habe und bei dem Gedanken an 35% vergünstigtes Drops-Garn so besonnen reagiert habe.

 

Mittwoch, 8. Mai 2013 – im Büro

Ich denke mir, ein Color Affection in gedeckten Farben wäre doch ganz nett für die Arbeit. Das Wetter ist dieses Jahr sowieso so schlecht, dass man sowas jetzt locker noch tragen könnte. Der Sommer setzt dieses Jahr wohl anscheinend sowieso aus.

 

Freitag, 10. Mai 2013 

Im Fernsehen läuft „Wer wird Millionär“ und ich schaue in der Werbepause mal bei Lanade rein. Nur mal gucken.

 

Samstag, 11. Mai 2013 – Erneutes Telefonat mit Mama BlackStitch

Ich: Hast du schon bei Lanade bestellt?

Mama BlackStitch: Nein, bin noch nicht dazu gekommen.

Ich: Ah, gut. Ich würde jetzt vielleicht doch was mitbestellen. Ich schick dir eine Mail, ok?

Ich durchsuche das Netz nach Farbinspirationen bzw. der Bestätigung, dass die drei Farben, die ich mir ausgesucht habe, wirklich gut zusammenpassen. Schlussendlich bestelle ich nicht nur Garn für einen Color Affection, sondern auch ein drittes Knäuel Drops Delight in einer Farbe, von der ich bereits drei im Stash habe. Und Wolle für Socken für Mr. BlackStitch. Und dann noch Wolle für Socken für mich. Ich fühle mich schwach.

 


Strickst du schon oder übersetzt du noch?

Öfters schaue ich mal, durch welche Suchbegriffe die Leser auf meinen Blog verwiesen werden. Auffallend häufig ist zu verzeichnen, dass gezielt nach deutschsprachigen Anleitungen, oftmals in Kombination mit dem Begriff „ravelry“, gesucht wird. Für all jene möchte ich an dieser Stelle eine kurze Anleitung geben, wie man unkompliziert in ravelry selbst nach deutschen Anleitungen sucht, ohne den Umweg über eine Suchmaschine und diverse Blogs zu gehen.

Klickt auf der Startseite von ravelry oben links „Patterns“ an.

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Ihr gelangt in den Bereich für sämtliche auf ravelry angelegten Anleitungen. Von dort geht es weiter zu der Suche: „pattern browser and advanced search“:

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Auf der folgenden Seite habt ihr unendlich viele Möglichkeiten, genau den Typ Anleitung zu finden, den ihr sucht. Unter „Availability“ könnt ihr kostenlose Anleitungen auswählen, unter „Category“ den Typ (Tuch, Schal, Rundschal, Pulli, Jacke, Mantel, Socke, ….), unter „Attributes“ könnt ihr euch sogar aussuchen, ob ihr nur Socken angezeigt bekommen wollt, die von der Spitze aus gestrickt werden oder ausschließlich Tücher, die halbmondförmig sind. Auch, wenn ihr euch mit der englischen Sprache etwas schwer tut – es lohnt sich wirklich, sich in die Strickbegriffe etwas reinzufuchsen, um diese Suchfunktion richtig nutzen zu können.
Wenn ihr auf dieser Seite ziemlich weit nach unten scrollt, könnt ihr die Datenbank gezielt nach deutschsprachigen Anleitungen filtern:

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 20.22.07

 

Ihr seht, knapp 21.000 deutschsprachige Muster sind auf ravelry angelegt – ganz schön viele!

Und trotzdem ist nur ein verhältnismäßig kleiner Teil übersetzt worden oder gleich in deutscher Sprache erschienen, denn immerhin umfasst die ravelry-Datenbank derzeit mehr als 360.000 Anleitungen! Tolle Anleitungen zum Beispiel aus der Twist Collective oder die Serie Wool People von brooklyntweed erscheinen ausschließlich in englischer Sprache. Wer also auch solche Anleitungen stricken mag, kommt nicht umhin, sich etwas mit der englischen Sprache und den speziellen Strickbegriffen zu beschäftigen … und sich damit unter Umständen gleich auf doppeltes Neuland zu begeben, was natürlich auf den ersten Blick etwas abschrecken kann. Lasst euch aber gesagt sein: es ist machbar, auch ohne Studienabschluss in Anglistik oder gar Abitur. Einige Sprachkenntnisse sollte man zwar haben, da Anleitungen aber meistens einem bestimmten Schema folgen, bekommt man hier schnell einen Durchblick. Bei der „Strick-Fachsprache“ ist diese tolle Liste vom Stricknetz eine praktische Hilfe.
Traut euch einfach! 🙂


Sind wir alle Guerillas?

Auf dem Ravelry-Meeting 2009 in Backnang gab es auch schon „Guerilla-Stricken“. Nur hat es damals keiner so genannt.

Ein neuer Stricktrend scheint derzeit über das Land zu fegen. Endlich ist die „Stricken ist das neue Yoga“-Welle abgeflacht, nun wird mit „Guerilla-Stricken“ ein neuer Trend beschworen. Anscheinend eignet sich unser Hobby, gerade weil es oft als „trutschig“ und „hausfrauig“ verschrien wird, immernoch ziemlich gut, um eine bestimmte Erwartungshaltung zu widerlegen und zu überraschen. Den Eindruck bekommt man zumindest, wenn man gerade das Internet nach News-Artikeln zum Thema „stricken“ durchsucht.

„Guerilla-Stricken“ ist ja schon seit einer Weile in unseren Gefilden bekannt, derzeit scheint das Thema aber überall aufzutauchen – und erhält viel Aufmerksamkeit. Am Bodensee umstricken Seniorinnen gemeinsam mit Schülern Parkbänke, im Münsterland verschönern Schülerinnen mit diesem „weiblichen Teil der Streetart“ ihren Schulhof,  ebenfalls im Münsterland umstrickt eine Gruppe Bäume in ihrem Dorf um auf die Probleme gehbehinderter Menschen aufmerksam zu machen, in Niedersachsen ist das sogenannte „Bridge Knitting“ Teil einer Bürgerinitiative, in Geldern umstrickt eine Awo-Gruppe Teile ihrer Stadt um diese zu verschönern und in Mönchengladbach werden für ein Stadtviertel-Fest systematisch die Denkmäler um- und bestrickt, um den Blick der Stadtbewohner für diese wieder neu zu schärfen. Woher kommt diese Regionen übergreifende Lust darauf, Dinge im öffentlichen Raum mit Strickstücken zu versehen?

In vielen dieser Artikel ist die Rede davon, dass die umstrickten Bereiche oder Dinge „schöner“ werden sollen. „Schön“ ist ja ein Begriff, über den man sich streiten kann, was ich an dieser Stelle nicht tun möchte. Wenn ich aber an aktuelle Bauvorhaben und Projekte in „meiner“ Stadt denke, so haben diese erschreckend oft gemeinsam, dass flächendeckend viel Beton und Stein verwendet wird. An mancher Stelle wird ein trostloses Bäumchen zu Dekorationszwecken in einen ein-Meter-Radius Erde eingepflanzt. Gut, das ist modern und sicher haben sich die Architekten und Stadtplaner dabei etwas gedacht. Trotzdem frage ich mich, ob das wirklich dem Geschmack vieler (aller?) Leute entspricht? Wünschen sich die Menschen doch mehr Farbe, mehr Bunt, mehr „Heimeligkeit“, mehr freundlich-weiche Umgebung wie sie durch Umstricktes geschaffen wird?

Interessant ist auch, dass viele Projekte mit dem Stricken auf eine bekannte Umgebung neu aufmerksam machen wollen. Dies war auch eine der Gründe, warum sich das „Guerilla-Sricken“ ursprünglich entwickelt hatte, beispielsweise durch die Aktionen von Knit the City in London. Seien wir mal ehrlich: Allzu oft laufen wir wie Zombies durch unsere Umgebung und blenden diese erfolgreich aus. Verständlich, wenn man in Hektik eine Bahn erwischen muss, in Gedanken den Einkaufszettel schreibt oder mit einem Auge auf dem Smartphone eine Textnachricht verfasst. Reisst uns dann ein umstrickter Baum aus dieser Teilnahmslosigkeit? Irgendwie schon. Ändert sich dadurch aber dauerhaft etwas an unserem Scheuklappen-Blick? Ich weiß es nicht. Aber zumindest hat es einen kurzfristigen Effekt. Besser als gar keinen.

Trotzdem hoffe ich, dass es mit dem „Trend Guerilla-Stricken“ nicht zu sehr übertrieben wird und inspirationsloses Umwickeln von Dingen mit Bahnen aus Gestricktem kein gängiges Marketing-Tool wird, um langweilige Projekte vor dem Abrutschen in die totale Nicht-Beachtung zu retten.
Denn nicht alle Leute, die dieses Hobby ausüben, wollen damit die Welt verändern oder einen Zen-Zustand erreichen. Oftmals ist Stricken einfach nur Stricken. Oder sind wir alle Guerillas, weil wir schließlich uns selbst und unsere Lieben umstricken, damit auch sie schöner werden und in der Masse von industriegefertigt bekleideten Menschen herausstechen?


977 matches

Vor kurzem habe ich mich mal wieder auf ravelry herumgetrieben und wollte meine Queue, also die Liste von allen Strickanleitungen, die ich gerne mal stricken möchte, anschauen. Ich war leicht geschockt, als ich rechts oben im Bildschirm gelesen habe:

Was?! 977 Anleitungen mag ich tatsächlich irgendwann einmal gestrickt haben? Ist das mein Ernst?
Diese erschreckende Zahl setzt sich im Detail zusammen aus: 228 Pullis oder Jacken, 257 Socken, 306 Tüchern oder Schals und einigem Kleinkram wie Handstulpen, Mützen, putzigen Tieren oder kleinen Aliens.

Ernsthaft – ich werde doch nie im Leben mehr als zweihundert Strickjacken benötigen. Überlegt mal, wieviel Platz die Teile bräuchten. Davon mal abgesehen kann niemand außerhalb der Antarktis einen so hohen Bedarf an gestrickten Oberteilen haben, es sei denn, die drohende neue Eiszeit tritt doch ein. Hätte ich mehr als dreihundert Tücher, könnte ich fast jeden Tag des Jahres ein anderes tragen, was für ein Wahnsinn! Außerdem hätte ich für jeden Tag, an dem man tatsächlich temperaturbedingt Socken tragen muss, ein Kontingent von Wollsocken (die restlichen Tage wäre Sandalen- und Ballerina-Zeit). Ich mag garnicht überlegen, wie lange ich stricken müsste, um die teilweise doch recht aufwendigen Projekte alle zu nadeln.

Okay, ich füge Anleitungen recht leichtfertig meiner Queue hinzu. Was mir gefällt, was ich tragen oder haben möchte kommt auf die Liste. Außerdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich etwas meiner Queue hinzugefügt habe. Hier kommt das Jäger- und Sammler-Prinzip zum tragen: Ähnlich wie bei Pinterest füge ich bei ravelry Dinge, die ich gut finde oder haben mag, einfach der Liste hinzu – ob ich Strickjacke Nummer 164 dann auch tatsächlich ernsthaft haben möchte, spielt eigentlich gar keine Rolle, im Vordergrund steht die Freude, eine weitere tolle (vielleicht sogar kostenlose) Anleitung entdeckt zu haben.

Ich muss allerdings zugeben, dass mich diese große Auswahl an quasi sofort verfügbaren Strickmustern in letzter Zeit etwas unter Druck setzt. Stets denke ich mir: Mag ich das jetzt wirklich stricken? Finde ich nicht noch was besseres, was schöneres? Passt die ausgewählte Anleitung tatsächlich zu meinem Garn? Egal, ich strick’s mal an, wenn es nach ein paar Reihen doof aussieht, mache ich eben doch etwas anderes daraus. Aber was? … Und so kommt es, dass ich viel zu viele angestrickte Dinge hier herumliegen habe.
Ich bin mir sicher, liebe ravelry-User, ihr kennt diese Gedankengänge. Ja, dabei handelt es sich um ein Luxusproblem, ein Problem ist es aber irgendwie trotzdem. Denn das eigene Hobby sollte meiner Meinung nach nicht so erfolgs- und ertragsorientiert sein, sollte uns nicht zweifeln lassen, ob wir unsere Zeit gerade wirklich für das bestmögliche Projekt nutzen.

Wahrscheinlich muss ich einfach lernen, mit der großen Auswahl an Möglichkeiten umzugehen – und einfach das zu stricken, was sich richtig anfühlt. Ganz langsam, Masche für Masche.


Turboschäfchen

Wisst ihr, wie gut oder schlecht eure Reaktionszeit ist? Hier könnt ihr euch testen – Es geht darum, fliehende Schafe schnellstmöglich aufzuhalten. Und da flüchtige Schafe berühmt-berüchtigt für ihre gefährliche Aggressivität sind, muss man dies mit einem hochwirksamen Beruhigungsmittel-Pfeil versuchen.

Bevor ich auf Schaf-Safari gehen kann, müsste ich wohl noch etwas üben, denn ich bin leider nur Mittelmaß was meine Reaktionszeit angeht.

Wie schnell seid ihr?

P.S: Ton anschalten 😉


„Dreamz“

Vor kurzem war eine liebe Kollegin in den USA und ich habe sie gebeten, falls sie zufällig Zeit hätte und einen Wolle-Laden sehen würde, doch dort mal nach Signature Needles zu fragen und mir eventuell ein Paar mitzubringen. Sie hatte Zeit und ein Yarn Store war auch in der Nähe, nur hatte dieser keine Nadeln von Signature. Statt dessen hat sie mir eine 3,5er Nadel der Marke Knitter’s Pride mitgebracht (so super sollen die Signatures ja auch garnicht sein, wie Tichiro vor kurzem geschrieben hat, ich hab also nix verpasst). Das Nadelmodell trägt den Namen „Dreamz“.

Das Holz und die Grünschattierung kamen mir gleich bekannt vor – und tatsächlich ist Knitter’s Pride anscheinend der Name, unter dem in den USA die Produkte von KnitPro vertrieben werden (war KnitPro nicht ursprünglich mal Knit Picks?). Diese gibt es in Deutschland mittlerweile bei Wolle Rödel sowie von Lana Grossa und Prym.

Die „Dreamz“ Nadeln haben für jede Nadelstärke eine eigene Farbe, was ich sehr praktisch finde, spart man sich so doch das messen des Umfangs, da man auf den ersten Blick erkennt, um welche Stärke es sich handelt. Zusätzlich steht die Stärke in Millimetern auf den Nadeln selbst (mal sehen, ob der Aufdruck sich ebenso schnell abnutzt, wie bei den europäischen Versionen) sowie in US-Größe auf dem Metallstück zwischen Nadel und Seil. Hier gibt es wohl einen Unterschied zwischen den Produkten für USA und Europa: während meine Nadeln fest am Seil sind, gibt es hier wohl nur Schraubversionen. Die Oberfläche der Nadeln kommt mir ein wenig „klebriger“ vor, als bei den mir bekannten KnitPro-Rödel-Nadeln, kann aber auch sein, dass die Nadeln erstmal „eingestrickt“ werden müssen. Das Seil ist schwarz und etwas dicker als die lila Anschraub-Versionen. Ansonsten ist alles wie von KnitPro gewöhnt: schöne Spitze, flexibles Seil, gute Übergänge.

Was ich mit den Nadeln da stricke? Das zeige ich, sobald es etwas mehr zu sehen gibt 😉