Archiv der Kategorie: Gesponnenes

Wie gekauft

Wir Handarbeitende lieben Handgemachtes mit dem typischen Charme des leicht Unperfektem. Für nicht-Stricker oder -Spinner scheint jedoch eines der größten Komplimente zu sein: „Sieht aus, wie gekauft.“ Wer hat es nicht schon mal gehört? „Was, die Jacke ist selbst gestrickt? Sieht ja aus, wie gekauft!“ „Das ist selbstgesponnene Wolle? Sieht aus wie aus dem Wollgeschäft!“ Auch, wenn es nicht mein Ziel ist, Dinge zu handarbeiten, die aussehen wie gekauft, so freue ich mich seltsamerweise doch, wenn mir ab und zu etwas derartiges gelingt.

Da mir die Farben dieses handgefärbten Polwarth-Kammzugs (von dibadu) so gut gefallen haben, wollte ich so viele Meter daraus herausspinnen, wie möglich. Herausgekommen sind tatsächlich 427,5 Meter – fast auf den Meter genau so viel, wie ein industriell hergestelltes Knäuel Sockenwolle! Dafür mussten die Singles ziemlich dünn sein.

Um die Farben nicht zu vermischen, habe ich die Singles mit der Navajo-Technik verzwirnt.

Beim Zwirnen habe ich nur sehr wenig Drall in das Garn laufen lassen. Dadurch ist die fertige Wolle fast perfekt ausgeglichen von der Spule gekommen. An manchen Stellen dröseln sich allerdings die für Navajo typischen „Schlaufen“ etwas auf – beim verstricken wird das allerdings wieder verschwinden.


Einfach geradeaus

Manchmal darf es kein Lace, keine Muster in der Socke, keine Zöpfe sein – dann mag man einfach nur unkompliziert vor sich hin stricken. Dafür ist das Tuch 22 Little Clouds von Martina Behm geradezu wie geschaffen. Aus diesem Grund begleitet es mich derzeit überall dahin, wo entweder mit Warterei zu rechnen ist oder wo sich gesprächsfreudige Strickerinnen treffen.

Das Garn ist 100% Falkland-Wolle, selbst gefärbt und selbst gesponnen.

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Zum ersten Mal habe ich nicht meine gewöhnliche Spinntechnik (den kurzen Auszug) sondern den langen Auszug angewendet, der ein fluffigeres und elastischeres Garn produziert (im Englischen „woolen spun“ genannt, keine Ahnung, ob es dafür einen deutschen Begriff gibt?). Zwar sind die gesponnenen Singles etwas ungleichmäßiger, nach dem Verzwirnen fallen die unterschiedlich dicken und dünnen Stellen jedoch kaum mehr auf. Gelernt habe ich diese Technik dank einer DVD bzw. einem Video-Download von Interweave Press: „Drafting – The Long and Short of it with Abby Franquemont“. Wie der lange Auszug aussieht, kann man sehr gut in diesem kurzen YouTube-Trailer für das Video sehen:

Das komplette Video dauert mehr als eine Stunde, in der man wirklich viel lernen kann. Ich habe bislang einfach irgendwie gesponnen, nun ist mir klar, was ich mit welcher Technik aus welcher Faser herausholen kann.

Und wieder mal muss ich sagen: Selbstgesponnenes Garn zu verstricken macht viel viel mehr Freude, als mit gekaufter Wolle zu arbeiten!


Auf die inneren Werte kommt es überhaupt nicht an

Was macht man, wenn man nach einigen Jahren des Spinnens aus dem Stadium der schwangeren Regenwürmer heraus ist, den Faden problemlos so hinbekommt, wie man sich das vorgestellt hat und auch das Verzwirnen gut funktioniert? Damit es einem nicht langweilig wird, lernt man eine neue Spinntechnik – und fängt mit dieser nochmal ganz von vorne an!

Unter der sachkundigen Anleitung der lieben Katrin, in unserer Spinngruppe zurecht als „die Spinnqueen“ bekannt, habe ich mich an Corespinning gewagt. Als Ausgangsmaterial verwendet man dafür am besten ein Batt. Am meisten Spaß macht’s natürlich mit einem, das man (mit dem Kardiergerät der Spinnqueen) selbst kardiert hat:

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Außerdem benötigt man einen Faden, den sogenannten Core. Dazu kann man praktischerweise alte Garne nehmen, die man zu Beginn des Stashanbaus erworben hat und nie verstricken wird. Diese werden einmal mit ordentlich Drall durch das Rädchen auf eine freie Spule gedreht.

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Sinn des Corespinnings ist, dass man den Core-Faden mit dem Batt umwickelt, so dass man den Core nicht mehr sieht. Im Idealfall sollten sich die Farben von Core und Batt nicht allzu sehr unterscheiden, denn gerade am Anfang fällt das Umwickeln ziemlich schwer und der Faden schaut immer wieder hervor. Habe ich natürlich nicht so gemacht, aber egal. Die hellbraunen Stellen sind nunmal Designelemente.

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Wichtig beim Corespinning: langsam treten. Sehr langsam. So wenig Drall wie möglich auf den Faden geben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei diesem Garn erstmal gemerkt, wofür man einen größeren Wirtel tatsächlich benötigt. Bislang habe ich meist sehr dünne Garne mit hoher Trittfrequenz und viel Drall gesponnen. Das Corespinning hat da eine große Umgewöhnung erfordert.

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Beim Spinnen sollte sich das Rad nicht in die Richtung drehen, in der man zuvor den Core-Faden auf die Spule gewickelt hat. Ziel ist, den Drall in dem Core-Faden durch das Drehen in die entgegengesetzte Richtung, mit der man nun umwickelt, zu neutralisieren und so ein ausgewogenes Garn zu produzieren. Klingt schwierig, ist es auch. Macht aber trotzdem Spaß!

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Da man beim Corespinning sehr langsam tritt, dauert der Spinnprozess ziemlich lange. Schnelle Erfolgserlebnisse kann man mit dieser Spinntechnik nicht erzielen.

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Dafür ist das Ergebnis wirklich klasse. Vor allem Batts, deren Farben bei einer normalen Spinntechnik schnell Gefahr laufen, miteinander zu arg zu vermischen und „matschig“ zu werden, kommen beim Corespinning super raus.

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Richtig zufrieden bin ich noch nicht ganz, ich habe immernoch zuviel Drall im Garn und trete einfach zu schnell. Mit dem Spinnen ist es eben wie mit (fast) allem: Übung macht den Meister!


Zu schade für den Stash – Verstrickt eure Schätze!

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Irgendwie scheinen wir doch mehr Gene mit Hamstern zu teilen, als weithin bekannt ist – zumindest bin ich zu dem Schluss gekommen, nachdem ich mich (nach langer Zeit) mal wieder etwas mit meinem Stash auseinandergesetzt habe. Über die vergangenen Strickjahre hat sich da einiges angesammelt. Anfängersünden aus quietschebuntem Polytier, Souvenir-Garne, Schnäppchen, echte Schätze, Handgesponnenes. Und trotzdem wächst der Stash immer weiter. Interessanterweise verstricke ich die tatsächlichen „Schätze“ aber kaum. Nein, es könnte ja doch noch ein geeigneteres Projekt daher kommen oder bald veröffentlicht werden, ob das Garn mit dem muss-jetzt-angestrickt-werden-Projekt harmoniert bleibt doch ein kleines Risiko und überhaupt, vielleicht mache ich einen Fehler und muss die pflanzengefärbte Mohair-Mischung aus Schottland ribbeln … nein nein nein, dann doch lieber die schnöde Industrie-Merino-Sockenwolle, die im Wollgeschäft gerade im Angebot ist.

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Wirklich – das muss aufhören!
Wolle ist schließlich kein Wein, der erstmal ablagern muss und mit den Jahren besser wird. Gut, einen gewissen „Sicherheits-Stash“ für lange Feiertags-Wochenenden oder dringend nötige Belohnungen nach einem schrecklichen Tag im Job muss vorhanden sein. Trotzdem, Stricken ist unser Hobby, etwas das uns Spaß machen und erfreuen soll. Viel zu oft sehen wir die Produktion von Jacken, Tüchern oder Socken als Pflichtübung, bei welcher der Prozess in den Hintergrund und das Ergebnis in den Vordergrund tritt. Kein Wunder, dass wir dann aus Gründen der Alltagstauglichkeit oder weil kein „besonderer Anlass“ (Urlaubsstricken, Stricktreff-Stricken, Ausflugs-Stricken, usw.) vorliegt, die Normalo-Garne den Schätzen vorziehen.

Auch wenn manche Strickergebnisse vielleicht nicht absolut perfekt werden, ein Garn eventuell doch besser etwas anderes geworden wäre – egal, ich nehme mir vor, in nächster Zeit mehr aus dem Premium-Stash zu verstricken!

 

 


Spinnfreuden

Gefärbt

… gesponnen …

… gefreut …

… gezwirnt.

96 Gramm Bluefaced Leicester, navajo gezwirnt zu 271 Metern Garn, das etwas dicker ist, als Sockenwolle (sportweight). Daraus könnte ich mir folgendes vorstellen:

Spinnen ist einfach toll. Zu sehen, wie eine Faser sich zu Garn entwickelt macht mir jedes Mal wieder aufs Neue Spaß.


Attraktiver Single-Strang sucht Sinn des Lebens

Ihr kennt das sicher: Ihr habt einen wunderschönen Strang Wolle, etwas ganz besonderes. Meistens handelt es sich dabei um „Souvenir-Garne“, Stränge, die man im Urlaub oder während eines Ausflugs gekauft hat. Meistens sind solche Stränge etwas hochpreisiger und meistens ist der Koffer schon so schwer, dass man mit Angst an den Moment der Gepäckaufgabe am Flughafen denkt – der Strang kommt also ganz alleine mit nach Hause, irgendwas wird sich schon daraus stricken lassen. Oder der Strang ist einfach ein Einzelstück, bedingt durch seine spezielle Färbung.

Ein wenig von allem trifft auf mein neuestes gesponnenes Garn zu:

Vor zwei Jahren habe ich bei der Knit Nation in London diesen tollen Kammzug gekauft, bestehend aus 70% hellbraunes Bluefaced Leicester und 30% Seide. Gefärbt hat dieses schöne Stück Juno.

Der Kammzug war ein Einzelstück, also keine Chance zu einem späteren Zeitpunkt nochmal Nachschub zu organisieren, wenn das gesponnene Garn beim Stricken tatsächlich knapp werden sollte. Insgesamt habe ich 360 Meter Garn herausgesponnen, etwas weniger Lauflänge als das handesübliche Sockenwoll-Knäuel industrieller Hersteller. Um die schönen Farbabschnitte zu beizubehalten, habe ich mit der Navajo-Technik gezwirnt.

Bleibt nur die Frage: Was damit stricken? Die geniale Pattern-Suche bei Ravelry ermöglicht es, Anleitungen speziell nach Lauflänge zu filtern. So habe ich einige schöne Projekte gefunden, für die das Garn reichen würde:

Weitere Tipps sind natürlich gerne willkommen 😉


Fließender Uebergang

Nach langem Überlegen habe ich mich nun für eine bestimmte Art des Spinnens und Verzwirnens bei der bunten Samstagsfärberei entschieden. Damit die knalligen Farbkontraste bestehen bleiben, werde ich das Garn sehr dünn verspinnen und anschließend mit der Navajo-Technik zu einem dreifädigen Garn verzwirnen. Aufgrund meiner komischen Art, aus einem Kammzug zu spinnen besteht bei mir immer die Gefahr, dass ich die Farben allzu sehr miteinander vermische. Das Resultat ist dann in den meisten Fällen schlammfarbene Wolle. Deshalb muss ich etwas Vorarbeit leisten, damit die einzelnen Farbpartien schön getrennt voneinander auf die Spule kommen.

Zuerst teile ich die nächsten Abschnitte, die ich verspinnen mag, in Farbblöcke auf – Rot, Blaugrün und die Übergänge. Hier unterscheide ich zwischen Rot mit etwas Blaugrün und Blaugrün mit etwas Rot.

Mit etwas Zupfen kann man die einzelnen Partien schön aufteilen, anschließend werden diese in der passenden Reihenfolge versponnen. Möchte man noch fließendere Übergänge zwischen den einzelnen Farben haben, kann man die verschiedenfarbigen Fasern mit Handkarden zusammenkardieren … da ich jedoch über solch praktisches Zubehör (noch) nicht verfüge, muss ich einfach etwas mehr zupfen, vermischen und sortieren.

Von links nach rechts: Blaugrün, Blaugrün mit etwas Rot, Rot mit etwas Blaugrün, Rot