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Linke Socke, rechte Socke, egale Socke

Das mit dem Links und dem Rechts war noch nie meine Stärke. Ich kann problemlos sagen „da vorne müssen wir links abbiegen“ aber eigentlich rechts meinen. Eigentlich gibt es für mich „Links“, „das andere Links“ oder je nach Situation „Rechts“ und „das andere Rechts“ – kein Wunder also, dass sich das manchmal auch aufs Stricken auswirkt.

treppenviertel

Wie so viele andere habe ich die interessanten Socken Treppenviertel gestrickt. Nach einigen Startschwierigkeiten (die auch mit links, rechts und räumlichem Denken zu tun hatten, zum Glück war ich damit nicht allein!) habe ich fröhlich vor mich hin gestrickt. Zuerst die linke, dann die rechte Socke … dachte ich. Bei der ersten Anprobe nach dem Abketten der zweiten Socke fiel mir auf: beide Socken sind identisch. Ich habe keine Ahnung, wie ich das hinbekommen habe, denn eigentlich ist klar, wie die seitenverkehrten Teile gestrickt werden müssen und ich habe bei der zweiten Socke extra darauf geachtet, die halbe Reihe extra zu stricken, bevor ich die Ferse beginne.
Oder doch nicht?
Ach egal, anziehen kann ich die Socken schließlich auch so.

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Durch die Rippen haben die Socken eine ziemlich lustige (Un)Form und sehen ohne Fuß, der sie ausfüllt, recht komisch aus. Dadurch passen sie sich aber auch, ähnlich wie die etwas älteren Mojos, super dem Fuß an. Insbesondere in der Länge darf man sich von der Ziehharmonika-Form nicht täuschen lassen – das Gestrickte gibt enorm nach.

Und hier nochmal alles im Überblick:

  • Wolle: Weiß ich leider nicht mehr – ich glaube, etwas von Schoeller + Stahl in der üblichen 75/25-Zusammensetzung.
  • Verbrauch: zirka 2/3 des Knäuels
  • Größe: M, allerdings habe ich zehn zusätzliche Reihen gestrickt, bevor ich mit den „Ecken“ begonnen habe. Der Schaft war mir sonst etwas zu kurz.
  • Nadelstärke: 2 mm
  • Anleitung: Treppenviertel von Nicola Susen, für 2,50€ bei Ravelry erhältlich (deutsch und englisch)

Zu schade für den Stash – Verstrickt eure Schätze!

knitfromyourstash

 

Irgendwie scheinen wir doch mehr Gene mit Hamstern zu teilen, als weithin bekannt ist – zumindest bin ich zu dem Schluss gekommen, nachdem ich mich (nach langer Zeit) mal wieder etwas mit meinem Stash auseinandergesetzt habe. Über die vergangenen Strickjahre hat sich da einiges angesammelt. Anfängersünden aus quietschebuntem Polytier, Souvenir-Garne, Schnäppchen, echte Schätze, Handgesponnenes. Und trotzdem wächst der Stash immer weiter. Interessanterweise verstricke ich die tatsächlichen „Schätze“ aber kaum. Nein, es könnte ja doch noch ein geeigneteres Projekt daher kommen oder bald veröffentlicht werden, ob das Garn mit dem muss-jetzt-angestrickt-werden-Projekt harmoniert bleibt doch ein kleines Risiko und überhaupt, vielleicht mache ich einen Fehler und muss die pflanzengefärbte Mohair-Mischung aus Schottland ribbeln … nein nein nein, dann doch lieber die schnöde Industrie-Merino-Sockenwolle, die im Wollgeschäft gerade im Angebot ist.

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Wirklich – das muss aufhören!
Wolle ist schließlich kein Wein, der erstmal ablagern muss und mit den Jahren besser wird. Gut, einen gewissen „Sicherheits-Stash“ für lange Feiertags-Wochenenden oder dringend nötige Belohnungen nach einem schrecklichen Tag im Job muss vorhanden sein. Trotzdem, Stricken ist unser Hobby, etwas das uns Spaß machen und erfreuen soll. Viel zu oft sehen wir die Produktion von Jacken, Tüchern oder Socken als Pflichtübung, bei welcher der Prozess in den Hintergrund und das Ergebnis in den Vordergrund tritt. Kein Wunder, dass wir dann aus Gründen der Alltagstauglichkeit oder weil kein „besonderer Anlass“ (Urlaubsstricken, Stricktreff-Stricken, Ausflugs-Stricken, usw.) vorliegt, die Normalo-Garne den Schätzen vorziehen.

Auch wenn manche Strickergebnisse vielleicht nicht absolut perfekt werden, ein Garn eventuell doch besser etwas anderes geworden wäre – egal, ich nehme mir vor, in nächster Zeit mehr aus dem Premium-Stash zu verstricken!

 

 


Ravellenic Games

Auch wenn es im Vorfeld jede Menge Ärger um die Ravellenic Games gab, die Wahl der Hauptsponsoren für die Spiele mehr als fragwürdig ist und die Londoner Bevölkerung nun zwei Wochen lang im Ausnahmezustand leben muss – ich freue mich trotzdem, dass Olympia endlich angefangen hat.
Für alle, die nicht wissen, um was es bei den Ravellenic Games geht: Im Prinzip setzt man sich ein bestimmtes stricktechnisches Ziel, das man innerhalb der Zeit, während derer die Olympiade stattfindet, erreichen muss. Ich habe mir vorgenommen, in diesen Tagen einen Hitchhiker aus selbstgesponnenem Garn zu stricken.

Angeschlagen habe ich den Schal regelkonform während der Eröffnungsfeier am Freitagabend. Überraschenderweise habe ich während der live-Übertragung ganze acht Zacken gestrickt, obwohl ich bei der genialen Show mehr zugeschaut als genadelt habe. Mein persönliches Highlight: Rowan Atkinson in seiner Paraderolle Mr. Bean als Keyboarder beim London Symphonic Orchestra!

Den Hitchhiker (das wird mein mittlerweile drittes Exemplar, eins selbstgestrickt und eins habe ich von meiner Mama geschenkt bekommen) werde ich etwas anders stricken als in der Anleitung beschrieben. Statt kraus rechts werde ich den Schal in glatt rechts mit einer linken Reihe pro Zacke stricken.

Dadurch rollt er sich nun etwas ein, aber ich denke, wenn ich den Schal gut spanne, bekomme ich den Stoff schon glatt.

Das Garn war mal ein Kammzug von Cloudlover mit dem Namen Haunted Vineyard. Das Spinnen hat Riesenspaß gemacht, nicht nur wegen der genialen Farben. Polwarth lässt sich einfach sehr schön verspinnen, für mich die perfekte Stapellänge. Mal sehen, wie groß ich den Hitchhiker bekomme, ich habe ja leider nur 100 Gramm, die Anleitung ist aber ausgelegt für einen 150 Gramm Meisenstrang.


Drei ist keiner zuviel

Ich tu mir ja schon schwer damit, zwei Farben für einen Daybreak auszusuchen. Drei Farben für einen Color Affection zu kombinieren, hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert.

Zum Glück ist man bei der Drachenwolle das ratlose vorm Regal stehen und das zeitintensive, voll konzentrierte Meditieren über Farben, Lauflängen und Anleitungen (während man mindestens fünf Stränge Wolle im Arm hat) gewohnt. So bin ich wohl am vergangenen Samstag nicht negativ aufgefallen, als ich eine knappe Dreiviertelstunde gebraucht habe, um mich für die drei Stränge aus Wolle, Seide und Bambus zu entscheiden.

Eigentlich wollte ich erst im August, nach den Ravellenic Games mit diesem Tuch beginnen. Heute war aber so ein furchtbarer Tag, dass ich aus Frust einfach etwas schönes neues anschlagen muss. Anfangen werde ich mit Schwarz, dann wird das Grünblau dazu kommen und zum Schluss die Sandfarbe. Ich bin schon gespannt, wie die Farben als Streifen zusammen wirken.


977 matches

Vor kurzem habe ich mich mal wieder auf ravelry herumgetrieben und wollte meine Queue, also die Liste von allen Strickanleitungen, die ich gerne mal stricken möchte, anschauen. Ich war leicht geschockt, als ich rechts oben im Bildschirm gelesen habe:

Was?! 977 Anleitungen mag ich tatsächlich irgendwann einmal gestrickt haben? Ist das mein Ernst?
Diese erschreckende Zahl setzt sich im Detail zusammen aus: 228 Pullis oder Jacken, 257 Socken, 306 Tüchern oder Schals und einigem Kleinkram wie Handstulpen, Mützen, putzigen Tieren oder kleinen Aliens.

Ernsthaft – ich werde doch nie im Leben mehr als zweihundert Strickjacken benötigen. Überlegt mal, wieviel Platz die Teile bräuchten. Davon mal abgesehen kann niemand außerhalb der Antarktis einen so hohen Bedarf an gestrickten Oberteilen haben, es sei denn, die drohende neue Eiszeit tritt doch ein. Hätte ich mehr als dreihundert Tücher, könnte ich fast jeden Tag des Jahres ein anderes tragen, was für ein Wahnsinn! Außerdem hätte ich für jeden Tag, an dem man tatsächlich temperaturbedingt Socken tragen muss, ein Kontingent von Wollsocken (die restlichen Tage wäre Sandalen- und Ballerina-Zeit). Ich mag garnicht überlegen, wie lange ich stricken müsste, um die teilweise doch recht aufwendigen Projekte alle zu nadeln.

Okay, ich füge Anleitungen recht leichtfertig meiner Queue hinzu. Was mir gefällt, was ich tragen oder haben möchte kommt auf die Liste. Außerdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich etwas meiner Queue hinzugefügt habe. Hier kommt das Jäger- und Sammler-Prinzip zum tragen: Ähnlich wie bei Pinterest füge ich bei ravelry Dinge, die ich gut finde oder haben mag, einfach der Liste hinzu – ob ich Strickjacke Nummer 164 dann auch tatsächlich ernsthaft haben möchte, spielt eigentlich gar keine Rolle, im Vordergrund steht die Freude, eine weitere tolle (vielleicht sogar kostenlose) Anleitung entdeckt zu haben.

Ich muss allerdings zugeben, dass mich diese große Auswahl an quasi sofort verfügbaren Strickmustern in letzter Zeit etwas unter Druck setzt. Stets denke ich mir: Mag ich das jetzt wirklich stricken? Finde ich nicht noch was besseres, was schöneres? Passt die ausgewählte Anleitung tatsächlich zu meinem Garn? Egal, ich strick’s mal an, wenn es nach ein paar Reihen doof aussieht, mache ich eben doch etwas anderes daraus. Aber was? … Und so kommt es, dass ich viel zu viele angestrickte Dinge hier herumliegen habe.
Ich bin mir sicher, liebe ravelry-User, ihr kennt diese Gedankengänge. Ja, dabei handelt es sich um ein Luxusproblem, ein Problem ist es aber irgendwie trotzdem. Denn das eigene Hobby sollte meiner Meinung nach nicht so erfolgs- und ertragsorientiert sein, sollte uns nicht zweifeln lassen, ob wir unsere Zeit gerade wirklich für das bestmögliche Projekt nutzen.

Wahrscheinlich muss ich einfach lernen, mit der großen Auswahl an Möglichkeiten umzugehen – und einfach das zu stricken, was sich richtig anfühlt. Ganz langsam, Masche für Masche.


Sommerfrische

Ja, ich weiß, bei den Temperaturen mag es irrsinnig erscheinen, ein Wolltuch zu stricken. Aber da ich ein Fan des antizyklischen Strickens bin (warum erst im Winter warme Sachen stricken, dann müssen die doch schon längst fertig sein?), ist mir das recht egal. Wenn sich der Sommer also irgendwann wieder verzogen hat, werde ich mir dieses Tuch um den Hals legen und an die klebrigwarmen vergangenen Tage denken, in denen die kühle Wollmeisenfarbe mir zumindest die Illusion einer Sommerfrische gegeben hat.

Die Anleitung für das Tuch gibt es kostenlos bei Ravelry: Seas Shawl. Das Tuch kann beliebig groß oder klein gestrickt werden, da das wellenartige Muster so oft wiederholt werden kann, bis die Wolle aufgebraucht ist. Genau das habe ich auch vor und ich denke, das Tuch wird eine richtig gute Größe erreichen – schließlich sind Wollmeisenstränge 150 Gramm schwer.

Um welche Wollmeisenfarbe es sich hier handelt, kann ich leider nicht sagen, denn der Strang ist ein „Nobody’s Perfect“. Egal, die Farbe ist auch unperfekt einfach ein Hammer – sie strahlt richtig!
Mit den „Dreamz“-Nadeln bin ich hochzufrieden, das Stricken macht großen Spaß. Die anfängliche „Klebrigkeit“ ist mittlerweile auch verschwunden, nun läuft alles wunderbar.

Ich freue mich schon auf das Blocken – das Muster entwickelt sich bestimmt ganz toll.


„Dreamz“

Vor kurzem war eine liebe Kollegin in den USA und ich habe sie gebeten, falls sie zufällig Zeit hätte und einen Wolle-Laden sehen würde, doch dort mal nach Signature Needles zu fragen und mir eventuell ein Paar mitzubringen. Sie hatte Zeit und ein Yarn Store war auch in der Nähe, nur hatte dieser keine Nadeln von Signature. Statt dessen hat sie mir eine 3,5er Nadel der Marke Knitter’s Pride mitgebracht (so super sollen die Signatures ja auch garnicht sein, wie Tichiro vor kurzem geschrieben hat, ich hab also nix verpasst). Das Nadelmodell trägt den Namen „Dreamz“.

Das Holz und die Grünschattierung kamen mir gleich bekannt vor – und tatsächlich ist Knitter’s Pride anscheinend der Name, unter dem in den USA die Produkte von KnitPro vertrieben werden (war KnitPro nicht ursprünglich mal Knit Picks?). Diese gibt es in Deutschland mittlerweile bei Wolle Rödel sowie von Lana Grossa und Prym.

Die „Dreamz“ Nadeln haben für jede Nadelstärke eine eigene Farbe, was ich sehr praktisch finde, spart man sich so doch das messen des Umfangs, da man auf den ersten Blick erkennt, um welche Stärke es sich handelt. Zusätzlich steht die Stärke in Millimetern auf den Nadeln selbst (mal sehen, ob der Aufdruck sich ebenso schnell abnutzt, wie bei den europäischen Versionen) sowie in US-Größe auf dem Metallstück zwischen Nadel und Seil. Hier gibt es wohl einen Unterschied zwischen den Produkten für USA und Europa: während meine Nadeln fest am Seil sind, gibt es hier wohl nur Schraubversionen. Die Oberfläche der Nadeln kommt mir ein wenig „klebriger“ vor, als bei den mir bekannten KnitPro-Rödel-Nadeln, kann aber auch sein, dass die Nadeln erstmal „eingestrickt“ werden müssen. Das Seil ist schwarz und etwas dicker als die lila Anschraub-Versionen. Ansonsten ist alles wie von KnitPro gewöhnt: schöne Spitze, flexibles Seil, gute Übergänge.

Was ich mit den Nadeln da stricke? Das zeige ich, sobald es etwas mehr zu sehen gibt 😉