Strickst du schon oder übersetzt du noch?

Öfters schaue ich mal, durch welche Suchbegriffe die Leser auf meinen Blog verwiesen werden. Auffallend häufig ist zu verzeichnen, dass gezielt nach deutschsprachigen Anleitungen, oftmals in Kombination mit dem Begriff „ravelry“, gesucht wird. Für all jene möchte ich an dieser Stelle eine kurze Anleitung geben, wie man unkompliziert in ravelry selbst nach deutschen Anleitungen sucht, ohne den Umweg über eine Suchmaschine und diverse Blogs zu gehen.

Klickt auf der Startseite von ravelry oben links „Patterns“ an.

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Ihr gelangt in den Bereich für sämtliche auf ravelry angelegten Anleitungen. Von dort geht es weiter zu der Suche: „pattern browser and advanced search“:

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Auf der folgenden Seite habt ihr unendlich viele Möglichkeiten, genau den Typ Anleitung zu finden, den ihr sucht. Unter „Availability“ könnt ihr kostenlose Anleitungen auswählen, unter „Category“ den Typ (Tuch, Schal, Rundschal, Pulli, Jacke, Mantel, Socke, ….), unter „Attributes“ könnt ihr euch sogar aussuchen, ob ihr nur Socken angezeigt bekommen wollt, die von der Spitze aus gestrickt werden oder ausschließlich Tücher, die halbmondförmig sind. Auch, wenn ihr euch mit der englischen Sprache etwas schwer tut – es lohnt sich wirklich, sich in die Strickbegriffe etwas reinzufuchsen, um diese Suchfunktion richtig nutzen zu können.
Wenn ihr auf dieser Seite ziemlich weit nach unten scrollt, könnt ihr die Datenbank gezielt nach deutschsprachigen Anleitungen filtern:

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Ihr seht, knapp 21.000 deutschsprachige Muster sind auf ravelry angelegt – ganz schön viele!

Und trotzdem ist nur ein verhältnismäßig kleiner Teil übersetzt worden oder gleich in deutscher Sprache erschienen, denn immerhin umfasst die ravelry-Datenbank derzeit mehr als 360.000 Anleitungen! Tolle Anleitungen zum Beispiel aus der Twist Collective oder die Serie Wool People von brooklyntweed erscheinen ausschließlich in englischer Sprache. Wer also auch solche Anleitungen stricken mag, kommt nicht umhin, sich etwas mit der englischen Sprache und den speziellen Strickbegriffen zu beschäftigen … und sich damit unter Umständen gleich auf doppeltes Neuland zu begeben, was natürlich auf den ersten Blick etwas abschrecken kann. Lasst euch aber gesagt sein: es ist machbar, auch ohne Studienabschluss in Anglistik oder gar Abitur. Einige Sprachkenntnisse sollte man zwar haben, da Anleitungen aber meistens einem bestimmten Schema folgen, bekommt man hier schnell einen Durchblick. Bei der „Strick-Fachsprache“ ist diese tolle Liste vom Stricknetz eine praktische Hilfe.
Traut euch einfach! 🙂


Tiefstashtauchgang

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Seit Juli 2010 lagert dieser tolle Strang in meinem Stash: Ein „Wilder Kerl“ von Tausendschön, ein tolles Geburtstagsgeschenk von meinen Eltern, über das ich mich wahnsinnig gefreut habe und immernoch freue. Für so ein Geschenke-Garn mag man natürlich das perfekte Projekt finden. In den vergangenen fast drei Jahren habe ich verschiedene Socken-Anleitungen damit ausprobiert, aber nie war eine „gut genug“ für das Schätzchen, sämtliche Versuche wurden geribbelt und die Wolle verschwand stets wieder in den Untiefen des Stashs.

Um meinem eigenen Vorsatz zu folgen, habe ich mich gleich nachdem die Treppensocken fertig waren nochmals auf die Suche begeben und Ravelry nach Sockenmustern für den wilden Kerl durchkämmt. Dieses Mal bin ich tatsächlich fündig geworden, dieses Muster sollte es ohne Zweifel werden: Honey Badger von Irish Girlie Knits Designs (kostenlos bei Ravelry erhältlich).

Da das Garn wirklich sehr wild ist, wollte ich zwar eine gemusterte Socke, aber auf die schöne glatte Oberfläche von glatt rechten Maschen wollte ich doch nicht verzichten. Diese Anleitung ist ein toller Kompromiss!

Die Farben sind wirklich der Hammer, das Orange leuchtet selbst bei trübem Licht und macht müde Augen richtig munter. So macht Socken stricken richtig Spaß!


Anleitung der Woche: Sunny Days Shawlette

Copyright: Nurturing Fibres / Carle Dehning

Copyright: Nurturing Fibres / Carlé Dehning

Die Sunny Days Shawlette ist sehr gut für Anfänger geeignet, die erstmal schauen möchten, ob das mit dem Tücher stricken und Tücher tragen wirklich ihr Ding ist. Die vielen vielen Reihen glatt rechts sind zwar nicht gerade aufregend, lassen sich aber gut nebenbei stricken während im Fernsehen ein guter Film läuft. 
Aus dem Tuch kann man wirklich viel herausholen: In der zweifarbigen Variante kann es sowohl schreiend bunt als auch gedeckt und bürotauglich sein (mir juckt es ja etwas in den Fingern, eine Variante in einer der Hogwarts-Hausfarben zu stricken!), wer nicht gerne mit zwei Garnen arbeitet, kann auch eine einfarbige Variante machen. 

Das Tuch gibt es derzeit kostenlos auf Ravelry, allerdings nur bis Ende Mai! Bitte beachtet die Info auf der Ravelry Pattern-Seite, um herauszufinden, wie ihr den Gutschein-Code einlöst, um die Anleitung kostenlos zu erhalten.
Entworfen hat die Anleitung Carlé Dehning von Nurturing Fibres aus Südafrika. Auf ihrem Blog und in ihrer Ravelry-Gruppe veranstaltet sie gerade einen Knitalong für die Sunny Days Shawlette.

 

 


Linke Socke, rechte Socke, egale Socke

Das mit dem Links und dem Rechts war noch nie meine Stärke. Ich kann problemlos sagen „da vorne müssen wir links abbiegen“ aber eigentlich rechts meinen. Eigentlich gibt es für mich „Links“, „das andere Links“ oder je nach Situation „Rechts“ und „das andere Rechts“ – kein Wunder also, dass sich das manchmal auch aufs Stricken auswirkt.

treppenviertel

Wie so viele andere habe ich die interessanten Socken Treppenviertel gestrickt. Nach einigen Startschwierigkeiten (die auch mit links, rechts und räumlichem Denken zu tun hatten, zum Glück war ich damit nicht allein!) habe ich fröhlich vor mich hin gestrickt. Zuerst die linke, dann die rechte Socke … dachte ich. Bei der ersten Anprobe nach dem Abketten der zweiten Socke fiel mir auf: beide Socken sind identisch. Ich habe keine Ahnung, wie ich das hinbekommen habe, denn eigentlich ist klar, wie die seitenverkehrten Teile gestrickt werden müssen und ich habe bei der zweiten Socke extra darauf geachtet, die halbe Reihe extra zu stricken, bevor ich die Ferse beginne.
Oder doch nicht?
Ach egal, anziehen kann ich die Socken schließlich auch so.

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Durch die Rippen haben die Socken eine ziemlich lustige (Un)Form und sehen ohne Fuß, der sie ausfüllt, recht komisch aus. Dadurch passen sie sich aber auch, ähnlich wie die etwas älteren Mojos, super dem Fuß an. Insbesondere in der Länge darf man sich von der Ziehharmonika-Form nicht täuschen lassen – das Gestrickte gibt enorm nach.

Und hier nochmal alles im Überblick:

  • Wolle: Weiß ich leider nicht mehr – ich glaube, etwas von Schoeller + Stahl in der üblichen 75/25-Zusammensetzung.
  • Verbrauch: zirka 2/3 des Knäuels
  • Größe: M, allerdings habe ich zehn zusätzliche Reihen gestrickt, bevor ich mit den „Ecken“ begonnen habe. Der Schaft war mir sonst etwas zu kurz.
  • Nadelstärke: 2 mm
  • Anleitung: Treppenviertel von Nicola Susen, für 2,50€ bei Ravelry erhältlich (deutsch und englisch)

Sind wir alle Guerillas?

Auf dem Ravelry-Meeting 2009 in Backnang gab es auch schon „Guerilla-Stricken“. Nur hat es damals keiner so genannt.

Ein neuer Stricktrend scheint derzeit über das Land zu fegen. Endlich ist die „Stricken ist das neue Yoga“-Welle abgeflacht, nun wird mit „Guerilla-Stricken“ ein neuer Trend beschworen. Anscheinend eignet sich unser Hobby, gerade weil es oft als „trutschig“ und „hausfrauig“ verschrien wird, immernoch ziemlich gut, um eine bestimmte Erwartungshaltung zu widerlegen und zu überraschen. Den Eindruck bekommt man zumindest, wenn man gerade das Internet nach News-Artikeln zum Thema „stricken“ durchsucht.

„Guerilla-Stricken“ ist ja schon seit einer Weile in unseren Gefilden bekannt, derzeit scheint das Thema aber überall aufzutauchen – und erhält viel Aufmerksamkeit. Am Bodensee umstricken Seniorinnen gemeinsam mit Schülern Parkbänke, im Münsterland verschönern Schülerinnen mit diesem „weiblichen Teil der Streetart“ ihren Schulhof,  ebenfalls im Münsterland umstrickt eine Gruppe Bäume in ihrem Dorf um auf die Probleme gehbehinderter Menschen aufmerksam zu machen, in Niedersachsen ist das sogenannte „Bridge Knitting“ Teil einer Bürgerinitiative, in Geldern umstrickt eine Awo-Gruppe Teile ihrer Stadt um diese zu verschönern und in Mönchengladbach werden für ein Stadtviertel-Fest systematisch die Denkmäler um- und bestrickt, um den Blick der Stadtbewohner für diese wieder neu zu schärfen. Woher kommt diese Regionen übergreifende Lust darauf, Dinge im öffentlichen Raum mit Strickstücken zu versehen?

In vielen dieser Artikel ist die Rede davon, dass die umstrickten Bereiche oder Dinge „schöner“ werden sollen. „Schön“ ist ja ein Begriff, über den man sich streiten kann, was ich an dieser Stelle nicht tun möchte. Wenn ich aber an aktuelle Bauvorhaben und Projekte in „meiner“ Stadt denke, so haben diese erschreckend oft gemeinsam, dass flächendeckend viel Beton und Stein verwendet wird. An mancher Stelle wird ein trostloses Bäumchen zu Dekorationszwecken in einen ein-Meter-Radius Erde eingepflanzt. Gut, das ist modern und sicher haben sich die Architekten und Stadtplaner dabei etwas gedacht. Trotzdem frage ich mich, ob das wirklich dem Geschmack vieler (aller?) Leute entspricht? Wünschen sich die Menschen doch mehr Farbe, mehr Bunt, mehr „Heimeligkeit“, mehr freundlich-weiche Umgebung wie sie durch Umstricktes geschaffen wird?

Interessant ist auch, dass viele Projekte mit dem Stricken auf eine bekannte Umgebung neu aufmerksam machen wollen. Dies war auch eine der Gründe, warum sich das „Guerilla-Sricken“ ursprünglich entwickelt hatte, beispielsweise durch die Aktionen von Knit the City in London. Seien wir mal ehrlich: Allzu oft laufen wir wie Zombies durch unsere Umgebung und blenden diese erfolgreich aus. Verständlich, wenn man in Hektik eine Bahn erwischen muss, in Gedanken den Einkaufszettel schreibt oder mit einem Auge auf dem Smartphone eine Textnachricht verfasst. Reisst uns dann ein umstrickter Baum aus dieser Teilnahmslosigkeit? Irgendwie schon. Ändert sich dadurch aber dauerhaft etwas an unserem Scheuklappen-Blick? Ich weiß es nicht. Aber zumindest hat es einen kurzfristigen Effekt. Besser als gar keinen.

Trotzdem hoffe ich, dass es mit dem „Trend Guerilla-Stricken“ nicht zu sehr übertrieben wird und inspirationsloses Umwickeln von Dingen mit Bahnen aus Gestricktem kein gängiges Marketing-Tool wird, um langweilige Projekte vor dem Abrutschen in die totale Nicht-Beachtung zu retten.
Denn nicht alle Leute, die dieses Hobby ausüben, wollen damit die Welt verändern oder einen Zen-Zustand erreichen. Oftmals ist Stricken einfach nur Stricken. Oder sind wir alle Guerillas, weil wir schließlich uns selbst und unsere Lieben umstricken, damit auch sie schöner werden und in der Masse von industriegefertigt bekleideten Menschen herausstechen?


Auf die inneren Werte kommt es überhaupt nicht an

Was macht man, wenn man nach einigen Jahren des Spinnens aus dem Stadium der schwangeren Regenwürmer heraus ist, den Faden problemlos so hinbekommt, wie man sich das vorgestellt hat und auch das Verzwirnen gut funktioniert? Damit es einem nicht langweilig wird, lernt man eine neue Spinntechnik – und fängt mit dieser nochmal ganz von vorne an!

Unter der sachkundigen Anleitung der lieben Katrin, in unserer Spinngruppe zurecht als „die Spinnqueen“ bekannt, habe ich mich an Corespinning gewagt. Als Ausgangsmaterial verwendet man dafür am besten ein Batt. Am meisten Spaß macht’s natürlich mit einem, das man (mit dem Kardiergerät der Spinnqueen) selbst kardiert hat:

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Außerdem benötigt man einen Faden, den sogenannten Core. Dazu kann man praktischerweise alte Garne nehmen, die man zu Beginn des Stashanbaus erworben hat und nie verstricken wird. Diese werden einmal mit ordentlich Drall durch das Rädchen auf eine freie Spule gedreht.

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Sinn des Corespinnings ist, dass man den Core-Faden mit dem Batt umwickelt, so dass man den Core nicht mehr sieht. Im Idealfall sollten sich die Farben von Core und Batt nicht allzu sehr unterscheiden, denn gerade am Anfang fällt das Umwickeln ziemlich schwer und der Faden schaut immer wieder hervor. Habe ich natürlich nicht so gemacht, aber egal. Die hellbraunen Stellen sind nunmal Designelemente.

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Wichtig beim Corespinning: langsam treten. Sehr langsam. So wenig Drall wie möglich auf den Faden geben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei diesem Garn erstmal gemerkt, wofür man einen größeren Wirtel tatsächlich benötigt. Bislang habe ich meist sehr dünne Garne mit hoher Trittfrequenz und viel Drall gesponnen. Das Corespinning hat da eine große Umgewöhnung erfordert.

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Beim Spinnen sollte sich das Rad nicht in die Richtung drehen, in der man zuvor den Core-Faden auf die Spule gewickelt hat. Ziel ist, den Drall in dem Core-Faden durch das Drehen in die entgegengesetzte Richtung, mit der man nun umwickelt, zu neutralisieren und so ein ausgewogenes Garn zu produzieren. Klingt schwierig, ist es auch. Macht aber trotzdem Spaß!

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Da man beim Corespinning sehr langsam tritt, dauert der Spinnprozess ziemlich lange. Schnelle Erfolgserlebnisse kann man mit dieser Spinntechnik nicht erzielen.

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Dafür ist das Ergebnis wirklich klasse. Vor allem Batts, deren Farben bei einer normalen Spinntechnik schnell Gefahr laufen, miteinander zu arg zu vermischen und „matschig“ zu werden, kommen beim Corespinning super raus.

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Richtig zufrieden bin ich noch nicht ganz, ich habe immernoch zuviel Drall im Garn und trete einfach zu schnell. Mit dem Spinnen ist es eben wie mit (fast) allem: Übung macht den Meister!


Anleitung der Woche: Tibetan Clouds Beaded Stole

Lacestricker aufgepasst: dieses Meisterwerk von Sivia Harding, das ursprünglich in dem ebenso meisterhaften Knitters Book of Wool erschienen ist, gibt es auf dem Internetportal womansday.com kostenlos:

Copyright: Sivia Harding / http://www.womansday.com

Die Stola wird aus der Mitte heraus gestrickt, ist man über diese hinaus, strickt man die langen Teile links und rechts separat voneinander. Wie der Name schon sagt, können diejenigen, die von dem zugegeben recht anspruchsvollen Muster noch nicht ausreichend geforderd sind,  noch Perlchen einstricken.

Sivia Harding ist wirklich ein Lace-Genie, wie dieses Design wieder deutlich macht! Wer ihre tollen Entwürfe noch nicht kennt: Bei Ravelry gibt es einen guten  Überblick und natürlich hat sie auch eine eigene Homepage.