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Weiß ist nicht immer weiß

Im September habe ich als vorausschauende Braut angefangen, ein Tuch für meine bevorstehende Hochzeit zu stricken. Die Farbwahl viel auf -wie sollte es anders sein?- Weiß. Ein Kleid hatte ich zwar noch nicht, war aber der Meinung, Weiß sei halt Weiß, das wird schon passen.

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Die Wolle ist ein federleichtes italienisches Mohairgarn: Le Perle Prestigio Super von Mondial. 245 Meter Lauflänge auf 25 Gramm. Der Mohair-Anteil ist genau richtig, das Garn ist nicht allzu fusselig, sodasss man Maschenbild und Muster (Swallowtail Shawl von Evelyn A. Clark) noch gut erkennen kann.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Im gigantisch großen Brautmoden-Laden hat die hochzeitswillige Frau von heute die Wahl zwischen Reinweiß, Schneeweiß, Elfenbein, Eierschale, Creme, Vanille und undendlich vielen anderen Weiß-Varianten.  „Richtiges“ Weiß verleiht mir den Teint eines Mehlwurms und so entschied ich mich für ein Kleid in „Champagner“ – Ein Farbton, der  mit dem fast fertigen Swallowtail, in den schon soviel Zeit und Nerven hineingestrickt wurden,  mal so garnicht harmoniert.

Zugegeben: Ich hatte schon meine Zweifel wegen dem Hauch von Tuch, denn warm halten würde es absolut nicht. Und das sollte es schon, bei einer Hochzeit im Dezember. Auf einer ungeheizten Burg. Also, Neustart. 30 Tage vor der Hochzeit habe ich aus Siena Big von Wolle Rödel im passenden Farbton „Champagner“ mit 5mm Nadeln den zweiten Swallowtail angeschlagen. Aus Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden (vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon völlig panisch am Vorabend der Hochzeit das gespannte Tuch mit einem Haartrockner trocken föhnen …) habe ich mich vollkommen monogam nur an dieses Projekt gehalten. Und siehe da: Nach nur zwölf Stricktagen war das Teil fertig!

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Modifikationen habe ich keine vorgenommen. Wie in der Anleitung habe ich 14 Mal das „Bud Lace“ Muster und zweimal das „Lily of the Valley“ Muster wiederholt. Ich habe mit dem Gedanken gespielt, die Knubbel durch Perlen zu ersetzen. Aber kurzfristig habe ich keine Perlen mit einer ausreichend großen Öffnung gefunden. Außerdem ist das Tuch auch so schon schwer genug geworden.

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Was habe ich aus diesem Projekt gelernt? Ich stricke nicht langsam, wie ich bisher eigentlich dachte. Ich stricke nur zuviel Kruscht gleichzeitig! Wenn man kontinuierlich an was strickt, dann wird es auch entsprechend schnell fertig. Unglaublich, dass mir diese Erkenntnis erst nach zwei Strickjahren kommt. Außerdem benötigt man für ein Projekt dieser Art  nicht solche Unmengen an Wolle, wie ich sicherheitshalber angehäuft habe (aus dem „Rest“ könnte ich noch einen Hey Teach! herausholen …). Und last but not least: Weiß ist nicht immer Weiß.