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Wie gekauft

Wir Handarbeitende lieben Handgemachtes mit dem typischen Charme des leicht Unperfektem. Für nicht-Stricker oder -Spinner scheint jedoch eines der größten Komplimente zu sein: „Sieht aus, wie gekauft.“ Wer hat es nicht schon mal gehört? „Was, die Jacke ist selbst gestrickt? Sieht ja aus, wie gekauft!“ „Das ist selbstgesponnene Wolle? Sieht aus wie aus dem Wollgeschäft!“ Auch, wenn es nicht mein Ziel ist, Dinge zu handarbeiten, die aussehen wie gekauft, so freue ich mich seltsamerweise doch, wenn mir ab und zu etwas derartiges gelingt.

Da mir die Farben dieses handgefärbten Polwarth-Kammzugs (von dibadu) so gut gefallen haben, wollte ich so viele Meter daraus herausspinnen, wie möglich. Herausgekommen sind tatsächlich 427,5 Meter – fast auf den Meter genau so viel, wie ein industriell hergestelltes Knäuel Sockenwolle! Dafür mussten die Singles ziemlich dünn sein.

Um die Farben nicht zu vermischen, habe ich die Singles mit der Navajo-Technik verzwirnt.

Beim Zwirnen habe ich nur sehr wenig Drall in das Garn laufen lassen. Dadurch ist die fertige Wolle fast perfekt ausgeglichen von der Spule gekommen. An manchen Stellen dröseln sich allerdings die für Navajo typischen „Schlaufen“ etwas auf – beim verstricken wird das allerdings wieder verschwinden.


Ravellenic Games

Auch wenn es im Vorfeld jede Menge Ärger um die Ravellenic Games gab, die Wahl der Hauptsponsoren für die Spiele mehr als fragwürdig ist und die Londoner Bevölkerung nun zwei Wochen lang im Ausnahmezustand leben muss – ich freue mich trotzdem, dass Olympia endlich angefangen hat.
Für alle, die nicht wissen, um was es bei den Ravellenic Games geht: Im Prinzip setzt man sich ein bestimmtes stricktechnisches Ziel, das man innerhalb der Zeit, während derer die Olympiade stattfindet, erreichen muss. Ich habe mir vorgenommen, in diesen Tagen einen Hitchhiker aus selbstgesponnenem Garn zu stricken.

Angeschlagen habe ich den Schal regelkonform während der Eröffnungsfeier am Freitagabend. Überraschenderweise habe ich während der live-Übertragung ganze acht Zacken gestrickt, obwohl ich bei der genialen Show mehr zugeschaut als genadelt habe. Mein persönliches Highlight: Rowan Atkinson in seiner Paraderolle Mr. Bean als Keyboarder beim London Symphonic Orchestra!

Den Hitchhiker (das wird mein mittlerweile drittes Exemplar, eins selbstgestrickt und eins habe ich von meiner Mama geschenkt bekommen) werde ich etwas anders stricken als in der Anleitung beschrieben. Statt kraus rechts werde ich den Schal in glatt rechts mit einer linken Reihe pro Zacke stricken.

Dadurch rollt er sich nun etwas ein, aber ich denke, wenn ich den Schal gut spanne, bekomme ich den Stoff schon glatt.

Das Garn war mal ein Kammzug von Cloudlover mit dem Namen Haunted Vineyard. Das Spinnen hat Riesenspaß gemacht, nicht nur wegen der genialen Farben. Polwarth lässt sich einfach sehr schön verspinnen, für mich die perfekte Stapellänge. Mal sehen, wie groß ich den Hitchhiker bekomme, ich habe ja leider nur 100 Gramm, die Anleitung ist aber ausgelegt für einen 150 Gramm Meisenstrang.


Two ply or not two ply?

Man lernt ja nie aus. Ich habe nun gelernt, dass ich zukünftig immer eine Probe spinnen werde und diese ausnahmslos immer anstricken werde, um zu sehen, wie das versponnene Garn dann aussieht. Bei meinen Testspinnereien habe ich ziemliche Überraschungen erlebt. Aber besser jetzt, als nach 800 Gramm versponnenem Garn.

Wie Ihr seht, seht Ihr nichts. Navajo (oben) und zweifädig (unten) machen nicht den riesigen Unterschied. Das Zweifädige hat etwas mehr Definition, die Maschen sind etwas deutlicher zu erkennen. Aber nur ein wenig. Viel wertvolller war für mich Erkenntnis, dass ich mit dem Garn lieber keinen aufwendigen Aran stricke, da die Farben das Muster zu sehr untergehen lassen würden.

Neugierig habe ich noch einen weiteren Test gemacht und zwar mit der Gotland-Wolle von Wollknoll.

Hier war ich sehr überrascht, ist doch ein großer Unterschied zwischen dem dreifädig Navajoverzwirntem (links) und dem Zweifädigen (rechts). Das Zweifädige ist fusselliger und hat dadurch ein undeutlicheres Maschenbild. Die Navajo-Technik hat bei der Gotland-Wolle ein glatteres Garn produziert, das zwar durch die engere Verzwirnung etwas weniger weich ist, dafür aber die Maschen deutlicher herausstechen lässt.

Und jetzt? Verspinne ich die schottische Multicolor, und zwar zweifädig, wie klengelchen mir geraten hat. Zwar gefällt mir das Garn als dreifädiges besser, wenn aber der Unterschied so gering ist, achte ich lieber auf das Gewicht des fertigen Strickstücks.

Allerdings werde ich wohl eher ein schlichteres Projekt dafür ins Auge fassen. Vielleicht Augusta (Ravelry Link)?