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Wie gekauft

Wir Handarbeitende lieben Handgemachtes mit dem typischen Charme des leicht Unperfektem. Für nicht-Stricker oder -Spinner scheint jedoch eines der größten Komplimente zu sein: „Sieht aus, wie gekauft.“ Wer hat es nicht schon mal gehört? „Was, die Jacke ist selbst gestrickt? Sieht ja aus, wie gekauft!“ „Das ist selbstgesponnene Wolle? Sieht aus wie aus dem Wollgeschäft!“ Auch, wenn es nicht mein Ziel ist, Dinge zu handarbeiten, die aussehen wie gekauft, so freue ich mich seltsamerweise doch, wenn mir ab und zu etwas derartiges gelingt.

Da mir die Farben dieses handgefärbten Polwarth-Kammzugs (von dibadu) so gut gefallen haben, wollte ich so viele Meter daraus herausspinnen, wie möglich. Herausgekommen sind tatsächlich 427,5 Meter – fast auf den Meter genau so viel, wie ein industriell hergestelltes Knäuel Sockenwolle! Dafür mussten die Singles ziemlich dünn sein.

Um die Farben nicht zu vermischen, habe ich die Singles mit der Navajo-Technik verzwirnt.

Beim Zwirnen habe ich nur sehr wenig Drall in das Garn laufen lassen. Dadurch ist die fertige Wolle fast perfekt ausgeglichen von der Spule gekommen. An manchen Stellen dröseln sich allerdings die für Navajo typischen „Schlaufen“ etwas auf – beim verstricken wird das allerdings wieder verschwinden.


Auf die inneren Werte kommt es überhaupt nicht an

Was macht man, wenn man nach einigen Jahren des Spinnens aus dem Stadium der schwangeren Regenwürmer heraus ist, den Faden problemlos so hinbekommt, wie man sich das vorgestellt hat und auch das Verzwirnen gut funktioniert? Damit es einem nicht langweilig wird, lernt man eine neue Spinntechnik – und fängt mit dieser nochmal ganz von vorne an!

Unter der sachkundigen Anleitung der lieben Katrin, in unserer Spinngruppe zurecht als „die Spinnqueen“ bekannt, habe ich mich an Corespinning gewagt. Als Ausgangsmaterial verwendet man dafür am besten ein Batt. Am meisten Spaß macht’s natürlich mit einem, das man (mit dem Kardiergerät der Spinnqueen) selbst kardiert hat:

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Außerdem benötigt man einen Faden, den sogenannten Core. Dazu kann man praktischerweise alte Garne nehmen, die man zu Beginn des Stashanbaus erworben hat und nie verstricken wird. Diese werden einmal mit ordentlich Drall durch das Rädchen auf eine freie Spule gedreht.

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Sinn des Corespinnings ist, dass man den Core-Faden mit dem Batt umwickelt, so dass man den Core nicht mehr sieht. Im Idealfall sollten sich die Farben von Core und Batt nicht allzu sehr unterscheiden, denn gerade am Anfang fällt das Umwickeln ziemlich schwer und der Faden schaut immer wieder hervor. Habe ich natürlich nicht so gemacht, aber egal. Die hellbraunen Stellen sind nunmal Designelemente.

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Wichtig beim Corespinning: langsam treten. Sehr langsam. So wenig Drall wie möglich auf den Faden geben. Wenn ich ehrlich bin, habe ich bei diesem Garn erstmal gemerkt, wofür man einen größeren Wirtel tatsächlich benötigt. Bislang habe ich meist sehr dünne Garne mit hoher Trittfrequenz und viel Drall gesponnen. Das Corespinning hat da eine große Umgewöhnung erfordert.

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Beim Spinnen sollte sich das Rad nicht in die Richtung drehen, in der man zuvor den Core-Faden auf die Spule gewickelt hat. Ziel ist, den Drall in dem Core-Faden durch das Drehen in die entgegengesetzte Richtung, mit der man nun umwickelt, zu neutralisieren und so ein ausgewogenes Garn zu produzieren. Klingt schwierig, ist es auch. Macht aber trotzdem Spaß!

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Da man beim Corespinning sehr langsam tritt, dauert der Spinnprozess ziemlich lange. Schnelle Erfolgserlebnisse kann man mit dieser Spinntechnik nicht erzielen.

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Dafür ist das Ergebnis wirklich klasse. Vor allem Batts, deren Farben bei einer normalen Spinntechnik schnell Gefahr laufen, miteinander zu arg zu vermischen und „matschig“ zu werden, kommen beim Corespinning super raus.

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Richtig zufrieden bin ich noch nicht ganz, ich habe immernoch zuviel Drall im Garn und trete einfach zu schnell. Mit dem Spinnen ist es eben wie mit (fast) allem: Übung macht den Meister!


Spinnfreuden

Gefärbt

… gesponnen …

… gefreut …

… gezwirnt.

96 Gramm Bluefaced Leicester, navajo gezwirnt zu 271 Metern Garn, das etwas dicker ist, als Sockenwolle (sportweight). Daraus könnte ich mir folgendes vorstellen:

Spinnen ist einfach toll. Zu sehen, wie eine Faser sich zu Garn entwickelt macht mir jedes Mal wieder aufs Neue Spaß.


Verdächtige Stille

Die letzten Tage war es hier auf dem Blog verdächtig still. Das hatte drei Gründe.

Erstens. Der Job. Zurzeit gibt es jede Menge zu tun und alles sollte am besten bereits gestern vom Tisch gewesen sein. Da fehlt mir dann in der Freizeit ein wenig der Elan, mich nach einem so schlauchenden Arbeitstag nochmal hinter die Tastatur zu klemmen. Aber demnächst wird es sich wohl wieder etwas entspannen.

Zweitens. Der Geburtstag. Neben der vielen Arbeit stand diese Woche auch noch mein Geburtstag an, den Mr. BlackStitch und ich bei einem schönen Essen gefeiert haben. Geschenke gab’s natürlich auch.

Nein, keine Wolle – einen Wollwickler! Und eine Haspel, die lässt sich aber noch Zeit mit dem Eintrudeln. Mittlerweile habe ich meine komplette Sockenwolle und meine Reste gewickelt. Das war entspannend und hat wenig Nachdenken erfordert und war somit genau die richtige Beschäftigung. Außerdem gefallen mir die schön aufgewickelten Knäuel sehr gut. Praktisch sind sie auch, da man aus der Knäuelmitte heraus stricken kann. Für Projekte, die einen doppelten Faden verlangen (wie die Reste-Fische) also ideal.

Drittens:

Ashford Traveller

Mein Geburtstagsgeschenk an mich selbst: Ein Ashford Traveller. Zwar habe ich etwas Bedenken, was den zusätzlichen Zeitaufwand für die Spinnerei angeht – aber was soll ich sagen, es macht einfach einen Riesenspaß!

Im Laden hat man mich Neuling sehr kompetent und geduldig beraten, auch was die Auswahl der Spinnfasern angeht. Ich habe ja nicht schlecht gestaunt, als ich die riesige Auswahl an verschiedenen Wollsorten und Färbungen gesehen habe! Mir ist die Entscheidung für die wollige Spinn-Erstausstattung sehr sehr schwer gefallen.

Mein allererster Strang: Wunderbar weiches Merino in Sonnengelb, zweifädig verzwirnt, leider total überdreht und deshalb wohl nicht wirklich verstrickbar. Aber stolz bin ich allemal!

Ich muss noch an meiner Spannung und Geschwindigkeit arbeiten. Die einzelnen Fäden haben einfach viel zu viel Drall und wickeln sich in sich selbst auf. In meinem schlauen Buch steht, man solle versuchen langsamer zu treten. Das tue ich nun und nehme geichzeitig etwas Spannung raus. Ich glaube, die Maßnahmen greifen, das Garn meines zweiten Spinnprojekts zeigt bisher noch keine Anzeichen von Überdrehung:

Noch habe ich teilweise zu dicke oder zu dünne Stellen im Faden. Aber so langsam bekomme ich das mit der gleichmäßigen Fadenstärke hin. Übung macht den (Spinn-)Meister!