Schlagwort-Archive: stricken

Strickst du schon oder übersetzt du noch?

Öfters schaue ich mal, durch welche Suchbegriffe die Leser auf meinen Blog verwiesen werden. Auffallend häufig ist zu verzeichnen, dass gezielt nach deutschsprachigen Anleitungen, oftmals in Kombination mit dem Begriff „ravelry“, gesucht wird. Für all jene möchte ich an dieser Stelle eine kurze Anleitung geben, wie man unkompliziert in ravelry selbst nach deutschen Anleitungen sucht, ohne den Umweg über eine Suchmaschine und diverse Blogs zu gehen.

Klickt auf der Startseite von ravelry oben links „Patterns“ an.

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 20.09.13

 

Ihr gelangt in den Bereich für sämtliche auf ravelry angelegten Anleitungen. Von dort geht es weiter zu der Suche: „pattern browser and advanced search“:

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 20.12.23

 

Auf der folgenden Seite habt ihr unendlich viele Möglichkeiten, genau den Typ Anleitung zu finden, den ihr sucht. Unter „Availability“ könnt ihr kostenlose Anleitungen auswählen, unter „Category“ den Typ (Tuch, Schal, Rundschal, Pulli, Jacke, Mantel, Socke, ….), unter „Attributes“ könnt ihr euch sogar aussuchen, ob ihr nur Socken angezeigt bekommen wollt, die von der Spitze aus gestrickt werden oder ausschließlich Tücher, die halbmondförmig sind. Auch, wenn ihr euch mit der englischen Sprache etwas schwer tut – es lohnt sich wirklich, sich in die Strickbegriffe etwas reinzufuchsen, um diese Suchfunktion richtig nutzen zu können.
Wenn ihr auf dieser Seite ziemlich weit nach unten scrollt, könnt ihr die Datenbank gezielt nach deutschsprachigen Anleitungen filtern:

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 20.22.07

 

Ihr seht, knapp 21.000 deutschsprachige Muster sind auf ravelry angelegt – ganz schön viele!

Und trotzdem ist nur ein verhältnismäßig kleiner Teil übersetzt worden oder gleich in deutscher Sprache erschienen, denn immerhin umfasst die ravelry-Datenbank derzeit mehr als 360.000 Anleitungen! Tolle Anleitungen zum Beispiel aus der Twist Collective oder die Serie Wool People von brooklyntweed erscheinen ausschließlich in englischer Sprache. Wer also auch solche Anleitungen stricken mag, kommt nicht umhin, sich etwas mit der englischen Sprache und den speziellen Strickbegriffen zu beschäftigen … und sich damit unter Umständen gleich auf doppeltes Neuland zu begeben, was natürlich auf den ersten Blick etwas abschrecken kann. Lasst euch aber gesagt sein: es ist machbar, auch ohne Studienabschluss in Anglistik oder gar Abitur. Einige Sprachkenntnisse sollte man zwar haben, da Anleitungen aber meistens einem bestimmten Schema folgen, bekommt man hier schnell einen Durchblick. Bei der „Strick-Fachsprache“ ist diese tolle Liste vom Stricknetz eine praktische Hilfe.
Traut euch einfach! 🙂


Linke Socke, rechte Socke, egale Socke

Das mit dem Links und dem Rechts war noch nie meine Stärke. Ich kann problemlos sagen „da vorne müssen wir links abbiegen“ aber eigentlich rechts meinen. Eigentlich gibt es für mich „Links“, „das andere Links“ oder je nach Situation „Rechts“ und „das andere Rechts“ – kein Wunder also, dass sich das manchmal auch aufs Stricken auswirkt.

treppenviertel

Wie so viele andere habe ich die interessanten Socken Treppenviertel gestrickt. Nach einigen Startschwierigkeiten (die auch mit links, rechts und räumlichem Denken zu tun hatten, zum Glück war ich damit nicht allein!) habe ich fröhlich vor mich hin gestrickt. Zuerst die linke, dann die rechte Socke … dachte ich. Bei der ersten Anprobe nach dem Abketten der zweiten Socke fiel mir auf: beide Socken sind identisch. Ich habe keine Ahnung, wie ich das hinbekommen habe, denn eigentlich ist klar, wie die seitenverkehrten Teile gestrickt werden müssen und ich habe bei der zweiten Socke extra darauf geachtet, die halbe Reihe extra zu stricken, bevor ich die Ferse beginne.
Oder doch nicht?
Ach egal, anziehen kann ich die Socken schließlich auch so.

treppenviertel2

Durch die Rippen haben die Socken eine ziemlich lustige (Un)Form und sehen ohne Fuß, der sie ausfüllt, recht komisch aus. Dadurch passen sie sich aber auch, ähnlich wie die etwas älteren Mojos, super dem Fuß an. Insbesondere in der Länge darf man sich von der Ziehharmonika-Form nicht täuschen lassen – das Gestrickte gibt enorm nach.

Und hier nochmal alles im Überblick:

  • Wolle: Weiß ich leider nicht mehr – ich glaube, etwas von Schoeller + Stahl in der üblichen 75/25-Zusammensetzung.
  • Verbrauch: zirka 2/3 des Knäuels
  • Größe: M, allerdings habe ich zehn zusätzliche Reihen gestrickt, bevor ich mit den „Ecken“ begonnen habe. Der Schaft war mir sonst etwas zu kurz.
  • Nadelstärke: 2 mm
  • Anleitung: Treppenviertel von Nicola Susen, für 2,50€ bei Ravelry erhältlich (deutsch und englisch)

Sind wir alle Guerillas?

Auf dem Ravelry-Meeting 2009 in Backnang gab es auch schon „Guerilla-Stricken“. Nur hat es damals keiner so genannt.

Ein neuer Stricktrend scheint derzeit über das Land zu fegen. Endlich ist die „Stricken ist das neue Yoga“-Welle abgeflacht, nun wird mit „Guerilla-Stricken“ ein neuer Trend beschworen. Anscheinend eignet sich unser Hobby, gerade weil es oft als „trutschig“ und „hausfrauig“ verschrien wird, immernoch ziemlich gut, um eine bestimmte Erwartungshaltung zu widerlegen und zu überraschen. Den Eindruck bekommt man zumindest, wenn man gerade das Internet nach News-Artikeln zum Thema „stricken“ durchsucht.

„Guerilla-Stricken“ ist ja schon seit einer Weile in unseren Gefilden bekannt, derzeit scheint das Thema aber überall aufzutauchen – und erhält viel Aufmerksamkeit. Am Bodensee umstricken Seniorinnen gemeinsam mit Schülern Parkbänke, im Münsterland verschönern Schülerinnen mit diesem „weiblichen Teil der Streetart“ ihren Schulhof,  ebenfalls im Münsterland umstrickt eine Gruppe Bäume in ihrem Dorf um auf die Probleme gehbehinderter Menschen aufmerksam zu machen, in Niedersachsen ist das sogenannte „Bridge Knitting“ Teil einer Bürgerinitiative, in Geldern umstrickt eine Awo-Gruppe Teile ihrer Stadt um diese zu verschönern und in Mönchengladbach werden für ein Stadtviertel-Fest systematisch die Denkmäler um- und bestrickt, um den Blick der Stadtbewohner für diese wieder neu zu schärfen. Woher kommt diese Regionen übergreifende Lust darauf, Dinge im öffentlichen Raum mit Strickstücken zu versehen?

In vielen dieser Artikel ist die Rede davon, dass die umstrickten Bereiche oder Dinge „schöner“ werden sollen. „Schön“ ist ja ein Begriff, über den man sich streiten kann, was ich an dieser Stelle nicht tun möchte. Wenn ich aber an aktuelle Bauvorhaben und Projekte in „meiner“ Stadt denke, so haben diese erschreckend oft gemeinsam, dass flächendeckend viel Beton und Stein verwendet wird. An mancher Stelle wird ein trostloses Bäumchen zu Dekorationszwecken in einen ein-Meter-Radius Erde eingepflanzt. Gut, das ist modern und sicher haben sich die Architekten und Stadtplaner dabei etwas gedacht. Trotzdem frage ich mich, ob das wirklich dem Geschmack vieler (aller?) Leute entspricht? Wünschen sich die Menschen doch mehr Farbe, mehr Bunt, mehr „Heimeligkeit“, mehr freundlich-weiche Umgebung wie sie durch Umstricktes geschaffen wird?

Interessant ist auch, dass viele Projekte mit dem Stricken auf eine bekannte Umgebung neu aufmerksam machen wollen. Dies war auch eine der Gründe, warum sich das „Guerilla-Sricken“ ursprünglich entwickelt hatte, beispielsweise durch die Aktionen von Knit the City in London. Seien wir mal ehrlich: Allzu oft laufen wir wie Zombies durch unsere Umgebung und blenden diese erfolgreich aus. Verständlich, wenn man in Hektik eine Bahn erwischen muss, in Gedanken den Einkaufszettel schreibt oder mit einem Auge auf dem Smartphone eine Textnachricht verfasst. Reisst uns dann ein umstrickter Baum aus dieser Teilnahmslosigkeit? Irgendwie schon. Ändert sich dadurch aber dauerhaft etwas an unserem Scheuklappen-Blick? Ich weiß es nicht. Aber zumindest hat es einen kurzfristigen Effekt. Besser als gar keinen.

Trotzdem hoffe ich, dass es mit dem „Trend Guerilla-Stricken“ nicht zu sehr übertrieben wird und inspirationsloses Umwickeln von Dingen mit Bahnen aus Gestricktem kein gängiges Marketing-Tool wird, um langweilige Projekte vor dem Abrutschen in die totale Nicht-Beachtung zu retten.
Denn nicht alle Leute, die dieses Hobby ausüben, wollen damit die Welt verändern oder einen Zen-Zustand erreichen. Oftmals ist Stricken einfach nur Stricken. Oder sind wir alle Guerillas, weil wir schließlich uns selbst und unsere Lieben umstricken, damit auch sie schöner werden und in der Masse von industriegefertigt bekleideten Menschen herausstechen?


Ravellenic Games

Auch wenn es im Vorfeld jede Menge Ärger um die Ravellenic Games gab, die Wahl der Hauptsponsoren für die Spiele mehr als fragwürdig ist und die Londoner Bevölkerung nun zwei Wochen lang im Ausnahmezustand leben muss – ich freue mich trotzdem, dass Olympia endlich angefangen hat.
Für alle, die nicht wissen, um was es bei den Ravellenic Games geht: Im Prinzip setzt man sich ein bestimmtes stricktechnisches Ziel, das man innerhalb der Zeit, während derer die Olympiade stattfindet, erreichen muss. Ich habe mir vorgenommen, in diesen Tagen einen Hitchhiker aus selbstgesponnenem Garn zu stricken.

Angeschlagen habe ich den Schal regelkonform während der Eröffnungsfeier am Freitagabend. Überraschenderweise habe ich während der live-Übertragung ganze acht Zacken gestrickt, obwohl ich bei der genialen Show mehr zugeschaut als genadelt habe. Mein persönliches Highlight: Rowan Atkinson in seiner Paraderolle Mr. Bean als Keyboarder beim London Symphonic Orchestra!

Den Hitchhiker (das wird mein mittlerweile drittes Exemplar, eins selbstgestrickt und eins habe ich von meiner Mama geschenkt bekommen) werde ich etwas anders stricken als in der Anleitung beschrieben. Statt kraus rechts werde ich den Schal in glatt rechts mit einer linken Reihe pro Zacke stricken.

Dadurch rollt er sich nun etwas ein, aber ich denke, wenn ich den Schal gut spanne, bekomme ich den Stoff schon glatt.

Das Garn war mal ein Kammzug von Cloudlover mit dem Namen Haunted Vineyard. Das Spinnen hat Riesenspaß gemacht, nicht nur wegen der genialen Farben. Polwarth lässt sich einfach sehr schön verspinnen, für mich die perfekte Stapellänge. Mal sehen, wie groß ich den Hitchhiker bekomme, ich habe ja leider nur 100 Gramm, die Anleitung ist aber ausgelegt für einen 150 Gramm Meisenstrang.


Wellness für’s Lace

Fühlen sich Eure Lace-Tücher auch schlapp, verkrumpelt und unförmig? Ist die einstige Schönheit den Strapazen des Alltags zum Opfer gefallen?

flowerbasket

Dann ist es Zeit für eine Wellness-Kur!
Beginnend mit einem entspannendem Bad in lauwarmen Wasser, versetzt mit einem von Wollschönheitsexperten empfohlenen Seifenzusatz.

flowerbasketbad

Dann folgt eine lockernde Spezial-Ganztuch-Massage.

flowerbasketnass

Anschließend eine Akupunktur-Sitzung.

flowerbasketblocking

Und voilà!

flowerbasket

Mein allererstes, vor etwas über einem Jahr fertig gewordenes Lace-Tuch (Flower Basket Shawl in Kauni Lace Uni) sieht wieder aus wie neu! Ich glaube, ich werde alle Tücher mal wieder einer Spann-Kur unterziehen.